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György Kurtág

In memoriam Haydée (Játékok)

Márta Kurtág, György Kurtág

ECM/Universal 0762896
(82 Min., 9/2012)

So haben sich Márta und György Kurtág wohl ihren gemeinsamen Lebensabend ausgemalt, als sie vor knapp 70 Jahren den Bund der Ehe eingingen. Solange es die Kräfte erlauben, geben sie im höchsten Alter noch gemeinsame Konzerte – und zwar vierhändig an einem Klavier. Und was sich dann für eine besondere, weil auch anrührende Atmosphäre einstellt, wenn dieses Künstlerehepaar sich im Laufe eines Abends mit nur ganz kleinen Gesten oder einem Lächeln seine Liebe bekundet. Oder in dem noch nicht einmal 30 Sekunden dauernden, extrem reduzierten Stücks „Flowers We Are …“ scheint im Wechsel jeder dem anderen einen einzelnen Ton schenken zu wollen.
Gebannt und auch ein wenig gerührt verfolgt man somit den Live-Mitschnitt eines Konzerts, das die Kurtágs 2012 in der Pairser Cité de la Musique zu Ehren der verstorbenen Musikwissenschaftlerin Haydée Charbagi gegeben haben. Insgesamt 43 Stücke standen da auf dem Programm, die allesamt aus dem mehrbändigen Sammelwerk „Játékok“ (Spiele) für zwei und vier Klavierhände stammen, an dem György Kurtág seit 1973 gearbeitet hat. Darunter finden sich aber nicht nur zahlreiche musikalische, zumeist schmucklose und doch in ihrer Konzentriertheit so reizvolle Gedenktafeln auch an alte Weggefährten. Die „Hommage à Domenico Scarlatti“ fällt da von ihrem technischen Anspruch sowie ihrer verqueren Tonsprache mehr als nur aus dem Rahmen. Und zwischen die Aphorismen, die wie das freche „Tumble-bunny“ manchmal sogar an Satie erinnern, streuen Márta und György Kurtág immer wieder Bach-Transkriptionen vorrangig von Chorälen ein, die einfach nur berückend schöne Sphären zum Klingen bringen.

Guido Fischer, 21.02.2015



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