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André Caplet, Claude Debussy, Gabriel Fauré, Charles Trenet u.a.

„Green“ (Mélodies franҫaises sur des poèmes de Verlaine)

Philippe Jaroussky, Quatuor Ébène, Nathalie Stutzmann, Jérôme Ducros

Erato/Warner 2564616695
(112 Min., 6 & 10/2014) 2 CDs

„Musik vor allen anderen Dingen“ – mit diesen Worten zur Dominanz der Musik beginnt eines von Paul Verlaines bekenntnisreichsten Gedichten „Art poétique“. Denn hier breitete er in schönsten und stimmungsvollsten Farben und Bildern quasi das Programm jener symbolistischen Dichtkunst aus, mit der sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts französische Poeten ihre eigene Welt wundersam einrichteten und zauberhaft ausmalten. Und wie die Sprache dabei von der Musik, von ihren dahingleitenden und -schwebenden Zügen an die Hand genommen werden kann, ja sollte, hat Verlaine auch mit so manchen Gedichten unterstrichen, die er in Anlehnung an Mendelssohn einfach als „Lieder ohne Worte“ bezeichnete. Dass Verlaines klangsinnliche Lyrik viele seiner bekannten Zeitgenossen wie Chabrier, Debussy und Fauré wie Nektar angezogen und zu Vertonungen inspiriert hat, ist natürlich keine Neuigkeit. Doch wie reich und groß der Verlaine´sche Liederreigen tatsächlich ist, davon bekommt man erst jetzt eine Ahnung. So hat Philippe Jaroussky insgesamt 43 Vertonungen für seine Verlaine-Hommage „Green“ aufgenommen, die nach einem Gedicht des 1896 elendig in Paris Verstorbenen benannt ist.
Die Komponistenriege umfasst aber nicht nur bekannte Namen wie Chausson, Massenet, Koechlin und Florent Schmitt, sondern gleichermaßen heute leicht vergessene Fin de Siècle-Tonsetzer wie Déodat de Séverac und Charles Bordes. Und auch an solche legendären Chansonniers wie Charles Trenet, Léo Ferré und Georges Brassens erinnert Frankreichs Countertenor Nr. 1 mal nur mit seinem Klavierpartner Jérôme Ducros, mal mit den Streichern des Quatuor Ébène. Der besondere Reiz dieser musikalisch herrlich stimmungsvollen wie abwechslungsreichen Verlaine-Tour liegt aber immer wieder in den Quervergleichen eines mehrfach vertonten Gedichts. Zur ausgelassenen Hymne ans Leben gerät Caplets Fassung von „Green“, während Gabriel Fauré romantische Wonnen anschlägt und Debussy eher ins Nachdenkliche verfällt. Arthur Honegger und Edgard Varèse fahren in „Un grand sommeil noir“ seelenbedrückende Farben auf. Und zwischendurch gibt Jaroussky ein Empfehlungsschreiben für ein mögliches Offenbach-Engagement ab – in Chabriers „Air de Fisch-Ton-Kann“. Überhaupt hört man diesem Recital an, dass es für Jaroussky eine Herzensangelegenheit gewesen ist, sich nach seinem Erfolgsalbum „Opium“ einmal mehr mit dieser Epoche zu beschäftigen. Und das Erstaunliche ist, dass Jaroussky trotz eines mächtig angestiegenen Arbeitspensums wieder völlig unverbraucht und nahtlos auf seine sängerischen Wunderwaffen von 2009 zurückgreifen konnte. Dazu gehören artikulatorische Subtilität, emotionale Unmittelbarkeit und nicht zuletzt eine Ausdrucksfinesse, die dem symbolistischen Denken und Fühlen ganz, ganz nahe kommt.

Guido Fischer, 07.03.2015



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