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Bullhorn

Verneri Pohjola

Edition Records/Soulfood EDN1056
(62 Min., 8/2014)

Er gelte nun schon seit 20 Jahren als junger Jazzmusiker, schreibt Verneri Pohjola in den Liner Notes seiner dritten Einspielung. So langsam, findet der inzwischen 37 Jahre zählende Finne, sei es ja wohl an der Zeit, erwachsen zu werden. Diese launige Absichtserklärung ist aber ähnlich augenzwinkernd irreführend wie der Albumtitel. Zum einen erwies sich der Sohn der finnischen Jazzrock-Legende Pekka Pohjola schon bei seinem 2011 erschienenen Debüt als erstaunlich ausgereifter Orchestrator einer 14-köpfigen Besetzung, zum anderen hat sein Trompetenspiel so gar nichts von dem titelgebenden Megafongrunzen eines „Bullhorns“.
Und doch gibt der Name des Albums einen guten Hinweis auf den Inhalt. Pohjolas Trompetenspiel steht im Zentrum der Aufnahme, die sich hauptsächlich in einem Quintett-Rahmen bewegt. Und es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich der Finne sein Instrument klingen lassen kann. Mal erstrahlt es muskulös als Signalhorn im klassischen Hardbop-Kontext („Nanomachines“), mal gemahnt es an Don Cherrys weltmusikalische Flüstertüte („Girls Of Costa Rica“), mal hört es sich an wie das raue Flöten eines Hirten („He Sleeps, I Keep Watch“).
In dem Horn des Finnen fließen die verschiedensten europäischen Jazztrompeten-Spielarten zusammen: der heisere, unrasierte Ton eines Tomasz Stanko, das mit viel Luft gehauchte Abwägen eines Palle Mikkelborg, die mit archaischem Folklore-Raunen experimentierenden Assoziations-Schallräume eines Nils Petter Molvaer oder Arve Henriksen.
Miles Davis, das erklärte große Vorbild von Pohjola, hört man jedoch nirgends heraus. Das zeigt, wie weit Pohjola auf der Suche nach einem eigenen, erwachsenen Ton schon gekommen ist.

Josef Engels, 07.03.2015



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