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Michel-Richard Delalande

Symphonies pour les soupers du Roy

Jürgen Groß, Elbipolis Barockorchester Hamburg

Challenge/New Arts International CC72664
(62 Min., 12/2013)

Wer es im Gegensatz zu den Schaulustigen an die Tafel von Ludwig XIV. geschafft hatte, der musste nicht befürchten, dass er später mit knurrendem Magen ins Bett muss. Denn bei Königs gab es von Austern bis Wild schon deswegen alles im Überfluss, da der Tischherr ständig nachschaufeln musste. Weil die Leibärzte ihm den Gaumen durchstoßen hatten und der Mann sowieso keine Zähne mehr hatte, entwickelte sich das Abendessen mit Louis so zu einer durchaus unappetitlichen Angelegenheit. Immerhin gab es bei den stundenlangen Gelagen ausreichend Ablenkung auch in musikalischer Form. Und mit Michel-Richard Delalande gab es da in Versailles einen äußerst talentierten Hofkomponisten, der nicht nur mit seinen Motetten den richtigen Ton für die geistlich-spirituelle Erbauung seines Dienstherrn traf. Mit seinen „Symphonies pour les soupers du Roy“ schrieb Delalande zahllose Instrumentalsätze, die jedoch mehr als nur Gebrauchsstücke zur musikalische Untermalung waren. Zumindest darf man das jetzt dank einer Einspielung schließen, für die der Cembalist des Elbipolis Barockorchesters Hamburg, Jörg Jacobi, die eher lückenhaften Partiturquellen rekonstruiert hat. Und sollten die jetzt zu Suiten zusammengestellten, insgesamt 27 Einzelsätze – die ganz nach den damaligen Gepflogenheiten vorrangig Tanzsätze sind –, damals nur annähernd so erfrischend und edel, so entspannend und einnehmend geklungen haben, wie sie jetzt zu hören sind, hat sich die musikwissenschaftliche Mühe mehr als gelohnt. Da würde man irgendwann doch sehr gerne noch einen Nachschlag bekommen …

Guido Fischer, 21.03.2015



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