Louis-Nicolas Clérambault, Franҫois Couperin

Miserere, Leçons de ténèbres

Vincent Dumestre, Le Poème Harmonique, Hasnaa Bennani, Isabelle Druet, Claire Lefilliâtre

Alpha/Note 1 Alpha 957
(65 Min., 11/2010, 11/2013)

 

Michel-Richard Delalande

Leçons de ténèbres

Sébastien Daucé, Ensemble Correspondances, Sophie Karthäuser

harmonia mundi HMC 902206
(76 Min.) 7/2014 CDs

 

„Es hat sich eingebürgert, während der Tenebrae einen Leuchter mit 15 Kerzen vor dem Altar aufzustellen, die man, eine nach der anderen, am Ende eines jeden Psalms auslöscht – bis auf die letzte, die während der Gebete am Ende der Messe hinter dem Altar verborgen gehalten wird und erst erleuchtet zum Vorschein kommt, wenn alles vollendet ist.“ Mit diesen Worten erinnerte 1731 in Paris ein Priester noch einmal an eine Tradition, die ihre Wurzeln im 9. Jahrhundert hatte. Es war die symbolträchtige Inszenierung eines Gottesdienstes, der in der Liturgie der römischen Kirche von jeher fester Bestandteil war. Bei der in der Karwoche abgehaltenen Messe der „Dunkelheit“ versammelte sich nicht nur die Gemeinde, um Jesus Christus zu gedenken. Im Laufe der drei Messen, die in der Nacht zu Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag abgehalten wurden, löschte man nach und nach die Kerzen, um die Einsamkeit und den Abschied vom Sohn Gottes in aller Dramatik zu versinnbildlichen. Dieser Ritus erlebte seine wahre Blütezeit im barocken Frankreich. Und neben Marc-Antoine Charpentier sowie Michel Lambert waren es vor allem Michel-Richard Delalande und Franҫois Couperin, die mit ihren für die Karwoche komponierten „Leçons de ténèbres“ den Ton angaben. Und nicht zuletzt Delalande gelang es, mit seinem konzertanten Stil sowie der Stimmschönheit seiner Gattin und der beiden Töchter, in der opernlosen „Fastenzeit“ selbst die Ungläubigen massenhaft in die Kirchen zu locken. Ob aber allein Madame Delalande an die Eindringlichkeit, Zartheit und Innigkeit herangereicht haben mag, mit der jetzt die Sopranistin Sophie Karthäuser begeistert und anrührt? Aufgenommen hat Karthäuser die lediglich drei überlieferten „Leçons de ténèbres“ sowie Delalandes 1711 komponiertes „Miserere“ mit dem aus Lyon stammenden und von Sébastien Daucé exquisit geleiteten Alte Musik-Ensemble Correspondances.
Mit einem ebenfalls in beeindruckend halbdunkle Farben eingetauchten „Miserere“ von Louis-Nicolas Clérambault eröffnet Vincent Dumestre mit seinem weiterhin überragenden Ensemble Le Poème Harmonique seine Einspielung von Tenebrae-Gesängen von Franҫois Couperin. Auch von ihm sind lediglich die drei „Leçons de ténèbres“ für den Karmittwoch überliefert. Und wie im Fall des Kollegen Delalande waren die „Leçons de ténèbres pour le Mercredy Saint” sofort bei Opersängerinnern äußerst begehrt. Bei diesen für eine bzw. für zwei Stimmen geschriebenen Gesängen lassen sich im Grunde jetzt keine Kolleginnen denken, die sich so selbstverständlich und kostbar zugleich in diesen Sphären bewegen wie Sopranistin Hasnaa Bennani sowie die Mezzosopranistinnen Isabelle Druet und Claire Lefilliâtre – außer Sophie Karthäuser, versteht sich.

Guido Fischer, 04.04.2015




Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Bloß kein BreX-mas: Da haben die Chefunterhändler ganze Arbeit geleistet, damit Theresa May und Jean-Claude Juncker endlich den Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen verkünden konnten. Doch grüne Grenzen und Binnenmarkt-Bestrebungen in Ehren – wie hoch wäre eigentlich der kulturelle Verlust Europas durch den Ausstieg der Briten zu beziffern? Wir meinen, gerade was Advent und Weihnachtszeit angeht ist der Beitrag des Vereinigten Königreichs kaum hoch genug zu schätzen, da die […] mehr »


Top