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Johannes Brahms, Leó Weiner u.a.

Brahms: The Hungarian Connection (Klarinettenquintett, Ungarische Tänze u.a.)

Andreas Ottensamer, Leonidas Kavakos, Christoph Koncz, Antoine Tamestit, Stephan Koncz, Ödön Rácz, Oszkár Ökrös, Predrag Tomić

DG/Universal 4811409
(61 Min., 10/2014)

„Was man so lange und wild bloß gespielt hat, [sei] unbequem aufzuschreiben.“ Mit diesem Geständnis an seinen Verleger Simrock erinnerte sich Johannes Brahms an jene Zeit, als er mit dem ungarischen Geiger Eduard Remény durch die Lande zog und sich mit ihm in der ungarischen Volksmusik austobte. Die Spätfolgen sind bekannt. Mit seinen 21 Ungarischen Tänzen hat Brahms veritable Evergreens in Form von Bearbeitungen hinterlassen. Mit zwei solcher Fassungen eröffnet Klarinettist Andreas Ottensamer denn auch – zusammen mit sechs bis in die Fingerspitzen hochmotivierten Musikanten – den zweiten Teil seines Albums und bestätigt damit den Untertitel „The Hungarian Connection“. Da wird gewirbelt, was die Bögen und Zymbal-Klöppel hergeben. Und mittendrin: der mal feurig-pfeffrig zulangende, mal lasziv säuselnde Jungklarinettist und Berliner Philharmoniker.
Mit den Arrangements von Brahms´ Ungarischen Tänzen Nr. 1 & 7 geben Ottensamer & Co. den Startschuss für eine kurze, aber enorm knackige Hommage an das osteuropäische Klangerbe, das der ungarische Jude Leó Weiner in seinen beiden Sätzen „Der traurige Hirt“ und „Székler Tanz“ verewigt hat. Und im finalen Medley werden gleich noch Tänze Transsylvaniens mit Brahms und Wagner(!) gekreuzt – wobei diese tolle Truppe mit u.a. Geiger Leonidas Kavakos, Bratscher Antoine Tamestit und Zymbal-Teufel Oszkár Ökrös Verstärkung von Predrag Tomić am Akkordeon erhält.
Vor dieser volksmusikalischen Party haben die Götter aber zunächst ein Gipfelwerk nicht nur des Klarinettenrepertoires, sondern der romantischen Kammermusik gesetzt. Es ist das Klarinettenquintett, das Brahms 1891 für die „Nachtigall“ der Meininger Hofkapelle, den Klarinettisten Richard Mühlfeld, komponiert hat. Normalerweise lädt eine verschworene Streichquartettgemeinschaft einen Klarinettisten ein, um mit ihm all die Wonnen und die Sanftmut, die mit herrlichem Melos ausgekosteten Weiten und nostalgischen Gedanken nur halbwegs zu erfassen und zu erspüren. Bei dieser Aufnahme wird man hingegen Ohrenzeuge, wie fünf Individualisten zu einer Einheit verschmolzen und dabei dem vollendeten Brahms-Glück äußerst nah gekommen sind.

Guido Fischer, 11.04.2015



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