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Fernweh

Max Frankl

Unit/harmonia mundi UTR 4533
(42 Min.)

Auf „Home“, Max Frankls hoch gelobtes Sextett-Album mit deutschen Stars wie Pablo Held und Nils Wogram, folgt nun folgerichtig „Fernweh“. Schon mit dem CD-Titel seines fünften Albums macht der Gitarrist aus dem bayerischen Weilheim deutlich, wie sehr seine musikalische Vision durch Auslandsaufenthalte inzwischen gereift ist. Aus seiner Schweizer Wahlheimat rekrutieren sich die Mitstreiter, die Frankl in seinem aktuellen Quartett versammelt. Gemeinsam spielt man eine stets gleichermaßen nachvollzieh- wie unberechenbare Musik, die sich in ihren markantesten Stellen auf Frankls Zeit in New York bezieht.
In den geradezu telepathisch eng verzahnten Unisoni und solistischen Zwiegesprächen mit Saxofonist und Alt-Klarinettist Reto Suhner offenbaren Gitarrist und Bläser eine große Verwandtschaft zu den amerikanischen Tandems Scofield/Lovano, Stern/Berg und vor allem Rosenwinkel/Turner. Spannend wird es dadurch, dass Frankl und die Seinen der nervösen US-Postbop-Moderne mit großer europäischer Lässigkeit begegnen. Da gibt es unerwartete Rubato-Stellen wie in Suhners jazzrockigem „80's“, nerdpoppige Grüße in Richtung Weilheim zu Johannes Enders und The Notwist („Copy/Paste“, „Schweben“) und immer wieder eine Zartheit und Nachdenklichkeit, die so gar nichts mit amerikanischen Muskelprotzereien gemein hat.
Das hat auf klanglicher Ebene damit zu tun, dass Frankl die angezerrte Rock-Gitarre regelmäßig gegen die akustische Konzertgitarre tauscht und die Alt-Klarinette seines Alter Egos Suhner ganz anders klingt als das handelsübliche Scharfmacher-Saxofon. Seinen Niederschlag findet das aber auch inhaltlich. Frankls Stück „Aufbrechen“ ist dafür das beste Beispiel: Da geht es in erster Linie nicht um das pionierhafte Aufbrechen zu neuen Abenteuern, sondern um das Aufbrechen und Hinterfragen althergebrachter Formen. Fernweh kann ausgesprochen inspirierend sein.

Josef Engels, 02.05.2015



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