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Wolfgang Amadeus Mozart

Klaviersonaten

Marc André Hamelin

Hyperion/Note 1 CDA68029
(154 Min., 7/2013) 2 CDs

Oft konnte man in der Vergangenheit mit Marc André Hamelins Klavierspiel eine merkwürdige Erfahrung machen: Je exotischer seine Programme waren, desto mehr Begeisterung konnte er beim Hörer entfachen. Je mehr er sich aber dem Mainstream-Repertoire zuwandte, desto größer waren die Irritationen: Seine für die Wiedergabe von hochkomplexen und fast unspielbaren Ausnahme-Partituren bewährten Methoden schienen bei bekannten Stücken auf rätselhafte Weise nicht zu verfangen.
Die vorliegenden zwei CDs mit Mozart-Sonaten korrigieren dieses Bild: Zunächst einmal wirkt sich Hamelins hohe technische Meisterschaft sehr positiv aus. Zwar hält man die Klavierliteratur Mozarts heutzutage keineswegs mehr für Virtuosenliteratur – ungleich viel Schwierigeres wurde im 19. Jahrhundert komponiert. Allerdings zeigt sich hier, dass eine gewisse „Speckschicht“ an technischer Überlegenheit sich auch vorteilhaft auswirken kann: Wenn wirklich jeder Lauf und jeder Triller auch bei avanciertem Grundtempo perfekt sitzen, dann kann sich der Hörer vollkommen zurücklehnen.
Ginge es indes nur darum, dann wäre auch Lang Lang ein famoser Mozart-Pianist. Im Unterschied zu diesem aber schafft es Hamelin in diesem Programm, nirgends aus Übermut zu „overacten“: Zwar ist seine Herkunft vom romantischen Repertoire nicht zu verkennen – Weichheit im Klang ist trotz aller Präzision auch bei Mozart eine Grundeigenschaft seines Spiels. Aber seine an weit komplizierteren Stücken geschulte Fähigkeit, jede Stimme des Satzes mit höchster Konsequenz zu verfolgen und auszugestalten, kommt auch dieser Musik sehr zugute. Ob im Allegro-Getümmel der Eck- oder im Cantabile der Mittelsätze: Hamelin ist horizontal immer in höchstem Maße organisiert und engagiert. Das ist eine wichtige, eine letztendlich überzeugende Qualität.

Michael Wersin, 02.05.2015



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