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Henry Purcell

Purcell´s Revenge: Sweeter Than Roses

Olivia Chaney, James Bowman, Ana Silvera, Jim Moray, Concerto Caledonia, David McGuinness

Delphian/harmonia mundi 34161
(66 Min., 3 & 4/2014)

Egal, welche Projekte die schottischen Alte Musik-Experten von Concerto Caledonia auch immer aushecken – stets versucht man, einen erfrischend neuen Blick besonders auf die English Baroque Connection zu werfen. Und dass es dabei schon mal richtig zünftig und auch zum Schmunzeln zugehen kann, zeigte man erst auf der letzten CD, die dem schottischen Gambenvirtuosen und Soldaten Tobias Hume gewidmet war. Das jüngste Klangporträt ist nun auf Henry Purcell zugeschnitten, von dem man sich auch bekannte Arien und Fantasien für Gambenconsort ausgesucht hat. Ein Purcell-Hit wie „Fairest Isle“ aus „King Arthur“ fehlt da genauso wenig wie das herzzerreißend schöne Lamento „Sweeter Than Roses“.
Da das von David McGuinness geleitete Ensemble sich aber weniger das notenbuchstabengetreue Darmsaitenspiel auf die Fahnen geschrieben hat, sondern an erster Stelle die Fantasie, lernt man Purcell jetzt selbst von seiner folkigen und deftigen Seite kennen. Bewaffnet mit Fideln, Drehleiern und sogar einer E-Gitarre, schaut man da mit einem Song auf den Lippen durchs Schlüsselloch und fast direkt in einen Pisspott. Wie eine Country-Ballade kommt „There Not A Swain On The Plain“ daher. Und in der „Evening Hymn“ könnte Sängerin Ana Silvera mit ihrem zuckrig-schönen Sopran glatt als Alte Musik-Schwester von Kate Bush durchgehen. Aber Vorsicht: Nicht alles hält Mr. Purcell unbeschadet aus. So ist Jim Moray mit seinem dünnen Popstimmchen kaum die ideale Wahl etwa für „Music For A While“. Aber selbst dieses Scheitern nimmt man in Kauf, beim ansonsten durchaus gelungenen Versuch, den Orpheus Britannicus einmal nicht von der Stange zu präsentieren.

Guido Fischer, 02.05.2015



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