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Domenico Gallo

Sonate a quattro

Concerto Melante

dhm/Sony 88875063252
(100 Min., 12/2014) 2 CDs

Die legendäre Alte Musik-Truppe Musica Antiqua Köln gibt es seit 2007 zwar nicht mehr. Aber ihr Pioniergeist lebt in Person des einstigen Gründers und Chefs Reinhard Goebel weiter. So ist diesem Repertoire-Schatzgräber jetzt auch das Sonaten-Konvolut zu verdanken, das aus der Feder eines gewissen Domenico Gallo stammt. Aufgenommen hat diese zwölf Kammermusiksonaten das auf historischen Klangappeal spezialisierte Concerto Melante. Und wie Konzertmeister Rainer Orlowsky im Booklet verraten hat, soll Goebel ihm 2010 das Gallo-Manuskript in Kopie mit den Worten in die Hände gedrückt haben: „Das haben wir mit Musica Antiqua Köln nicht mehr geschafft.“ Nun sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer wieder Werke auch von italienischen Barockkomponisten auf CD aufgetaucht, bei denen der PR-Stempel „Weltersteinspielung“ das einzig Aufsehnerregende war. Im Fall der zwölf Sonaten für Streichorchester zeigt hingegen die CD-Premiere einmal mehr, dass man sich auf das Qualitätsurteil von Goebel weiterhin verlassen kann.
Obwohl selbst zum guten Schluss, bei der 12. Sonata a quattro der alte Follia-Schlager zu Ehren kommt, besitzen die Werke eine klangsprachliche Attraktivität, die durchaus aus dem gängigen Rahmen jener Zeit fällt. Denn der gebürtige Venezianer Gallo, der wohl um 1730 geboren wurde, sah sich hörbar keinesfalls in der Traditionslinie eines Vivaldi. Vielmehr warten die vorrangig an Corellis viersätzigem Satzmodell orientierten Sonaten auch mit einem galantem Schwung sowie einer unbeschwerten Empfindsamkeit auf, die sogar an manche frühe Sakralwerke von Mozart erinnert. Die vielseitige Substanz dieser Werke sorgt schon allein dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Hinzu kommt aber da ja noch das aufgeweckte, tonschöne und bewegende Spiel und Miteinander eines Musikerensembles, das mit Reinhard Goebel noch anderweitig eng verbunden ist. Immerhin hat er drei Streichern historische Geigen aus seiner wertvollen Sammlung überlassen.

Guido Fischer, 09.05.2015



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