Responsive image

Encore

Eberhard Weber

ECM/Universal 4712051
(46 Min., 1999 - 2007)

„Ich kann nicht Bass spielen. Aber ich weiß, wie's geht!“ Mit dieser Begründung lehnte Eberhard Weber früher Angebote ab, wenn man ihm eine Musikhochschul-Professur antrug. Inzwischen haben diese Worte eine ganz andere Bedeutung bekommen. Seitdem Weber im April 2007 vor einem Auftritt mit der Jan Garbarek Group einen Schlaganfall erlitten hatte, kann er tatsächlich nicht mehr Bass spielen. Dass er sehr gut weiß, wie es geht, beweist er aber weiterhin.
So wie der mittlerweile 75-Jährige während seiner Zeit als aktiver Bühnenmusiker mit seinem elektroakustischen Zahnstocher-Bass neue Wege in der Instrumententechnik beschritt, sind auch seine CD-Veröffentlichungen nach dem Schlaganfall innovative Spezialanfertigungen. Was Weber auf „Resumé“ zum ersten Mal erfolgreich probierte, setzt er nun mit „Encore“ fort: Er überarbeitet, rearrangiert und remixt unbegleitete Solo-Passagen, die er einst bei den Konzerten mit Jan Garbarek gespielt hatte, so lange, bis daraus neue, eigenständige Stücke entstehen. An ihren Ursprung erinnern jetzt nur noch die Titel der Stücke, die den Namen ihrer Entstehungsorte tragen – Frankfurt etwa, London oder Granada.
Mit Loops, Delay-Einsatz, Keyboard-Flächen und dezentem synthetischen Schlagwerk verwandelt der Bassist seine einstigen Soli in meditative Kompositionen, die mal volksliedhaften Charakter haben können („London“ etwa zeigt Flamenco-Anleihen, „Bradford“ klingt mittelalterlich), über Jazzrock-Momente verfügen („Edinburgh“) oder sich gar zu orchestralen Höhen aufschwingen („Konstanz“). Webers sustainsatter Bass, schon immer der farbenreichste Tonproduzent der Szene, singt, weint und kichert dazu.
Als klanglich kongenialen Partner hat sich Weber Ack van Rooyen mit seinem samtweichen Flügelhorn für „Encore“ ins Studio bestellt. „Van Rooyen war bei meiner ersten und ist bei meiner vielleicht letzten Produktion dabei“, erklärt der Bassist dazu im Booklet. Aber wer weiß? Material soll es noch genug geben. Es wäre jedenfalls schön, wenn diese Zugabe nicht das letzte Wort bliebe.

Josef Engels, 09.05.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top