Christian Ofenbauer

Streichquartette 1997 - 2011

Arditti Quartet

NEOS/harmonia mundi NEOS 11513-14
(144 Min., 6/2013) 2 CDs

 

Hilda Paredes

Cuerdas del destina: Werke für Streichquartett u.a.

Arditti Quartet, Jake Arditti

Aeon/Note 1 AECD 1439
(59 Min., 2011 & 2013)

 

Beide Komponisten, denen das unermüdliche Arditti Quartet nun jeweils eine Art Porträt-CD gewidmet hat, gehören vom Namen und Renommee her sicherlich nicht zur allerersten Garde in der Neuen Musik-Szene. Hier: der Österreicher Christian Ofenbauer, der beim Urgestein Friedrich Cerha studiert hat. Ihm gegenüber steht die Mexikanerin Hilda Paredes, die mit Anfang Zwanzig nach London gekommen ist, um u.a. in die Klasse von Peter Maxwell Davies zu gehen. Und für die persönliche Note bei der aktuellen CD sorgen eben Ehemann Irvine Arditti sowie der gemeinsame Sohn Jake, der mehr als ein vielversprechender Countertenor ist. Klangsprachlich gibt es zwischen Paredes und ihrem Kollegen Ofenbauer auf den ersten Blick nur wenig Verbindendes. Denn während es bei ihr etwa schon mal durchaus robust und verkantet zugeht, ruht Ofenbauer bei seinen Streichquartetten ganz in sich. Die sechs Streichquartettssätze, die zwischen 1997 und 2011 entstanden sind, loten stoisch mit einer ungemeinen Filigranität die Grenzbereiche zwischen Stille und Nicht-Stille radikal aus. Es sind hauchdünne, im zigfachen Pianissimo sich bewegende Fäden, die nur vom gespenstischen Zucken und irritierenden Tonfarben aus der Balance gebracht werden. Faszinierende Klanguniversen sind dies von einem Komponisten, der sich das Bogenschießen zum Hobby gemacht hat. Man hört es.
Ins post-expressionistischer Wienerische, in die Nachwelten auch eines Alban Berg, bricht dagegen Paredes in ihren Kammermusikwerken aus dem Zeitraum 2000 - 2010 auf. Vom Streichquartett bis zu einem Stück für Solo-Violine („In Memoriam Thomas Kakuska“, der Bratscher des Alban Berg Quartetts) reicht der Bogen. Im Zentrum steht dabei der dreiteilige Zyklus „Canciones lunáticas“ auf Texte des spanischen Seefahrers Pedro Serrano, der Anfang des 16. Jahrhunderts sich nach einem Schiffsunglück auf eine Insel retten konnte. Und zusammen mit Jake Ardittis höchst substanzreicher, flexibler und vor allem klangschöner Stimme taucht man da in die stürmische Seelenuntiefen ein, die durchaus an Schönbergs Pierrot denken lassen. Und das Spiel der Ardittis? Es ist in beiden Aufnahmen wie zu erwarten über jeden Zweifel erhaben.

Guido Fischer, 06.06.2015




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