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The Epic

Kamasi Washington

Brainfeeder/Rough Trade BFCD050
(172 Min.) 3 CDs

Die internationalen Kritiken überschlagen sich förmlich bei diesem Drei-Stunden-Werk: Von „der Wiederauferstehung des Jazz“ ist zu lesen, gar von einem „Meilenstein der Musikgeschichte“. Warum, weshalb, wieso?
Nun, zum einen ist der aus Los Angeles stammende Tenorsaxofonist Kamasi Washington aufgrund seiner Mitarbeit an dem hochgelobten Album „To Pimp A Butterfly“ des Rappers Kendrick Lamar in den Fokus eher jazzferner Journalisten geraten. Zum anderen hat Washington bei seinem Debüt „The Epic“ einen Aufwand schier epischen Ausmaßes betrieben, der es per se aus dem Veröffentlichungs-Wust hervorhebt: Ein 32-köpfiges Orchester trifft im Rahmen von gleich drei CDs auf einen 20-köpfigen Chor und ein Jazz-Tentett, bei dem die Bass- und Schlagzeug-Position doppelt besetzt ist.
Diese Kombination entwickelt über die Spieldauer von 17 Songs und 172 Minuten fraglos eine Wucht, der man sich kaum entziehen kann. Washingtons Space-Jazz bedient sich dabei ekstatisch aus dem reichhaltigen Fundus der spirituellen und groove-orientierten Improvisationsmusik der 60er und 70er Jahre: John Coltranes „A Love Supreme“, Pharoah Sanders und Sun Ra stehen unüberhörbar Pate in Washingtons akustischen Wimmelbildern, die durch Chorgesänge à la „Raumschiff Enterprise“, Jimmy-Smith-Hammond-Gurgeln und Hardbop-Bläsersätze zusätzlich koloriert werden.
So wenig diese brodelnde Retro-Mischung freilich etwas über die Zukunft des Jazz auszusagen vermag, so klar ist aber auch, dass es sich bei Washington und seinen Mitstreitern um einige der kraftvollsten Solisten handelt, die die Gegenwart zu bieten hat. Man darf gespannt sein, wie die mit „The Epic“ begonnene Heldenerzählung weitergeht.

Josef Engels, 06.06.2015



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