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Diverse

Planctus (Tod und Apokalypse im Mittelalter)

Capella de Ministrers, Carles Magraner

CDM/Note 1 CDM1536
(73 Min., 11/2014)

Die „Capella de Ministrers“ bietet auf der vorliegenden CD ein breites Repertoire geistlicher Gesänge rund um das Thema Vergänglichkeit und Tod. Es befinden sich darunter Auszüge aus der gregorianischen Totenmesse (z.B. das „Dies Irae“, der Tractus „De profundis clamavi“ und das Offertorium „Domine Deus“) sowie Gesänge aus anderen Quellen, so etwa „Media in vita morte sumus“ aus dem „Ordinarium Urgellinum“ oder ein deutscher Totentanz namens „Ir tanczer und spranczer“ aus dem „Hohenfurter Liederbuch“.
Soweit der Autor überblicken kann, sind diese Gesänge (die gregorianischen aus dem „Graduale Romanum“ und dem „Liber usualis“ allemal) einstimmig und ohne notierten Rhythmus überliefert. Daher sollte der Hörer dieser ohne Zweifel höchst atmosphärischen CD wissen, dass alles, was auf dieser CD an Mehrstimmigkeit (Bordune, Parallelbewegungen etc.) und rhythmischer Ordnung der Melismen zu hören ist, als moderne Bearbeitung gelten darf. Zwar mögen hierfür zeitgenössische Quellen grundlegende Hinweise geben – aber wie seinerzeit tatsächlich musiziert worden ist, wissen wir im Grunde überhaupt nicht. Gleiches gilt für den Einsatz von Instrumenten bzw. für hinzugefügte instrumentale Einleitungen.
Freilich schmälert dies keineswegs den Wert der vorliegenden CD. Wenn erfahrene Musiker, die sich über lange Zeit in die Welt mittelalterlicher Gesänge eingelebt haben, ihren Vortrag gewissenhaft um klanglich reizvolle Aspekte wie die oben genannten ergänzen, so ist dagegen grundsätzlich nichts einzuwenden: Die Existenz früher Mehrstimmigkeit, die improvisiert und nicht notiert wurde, steht außer Frage – und wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Immerhin gehen Carles Magraner und seine Musiker mit großer Umsicht und Sorgfalt vor. Daher darf der Hörer sich durchaus freuen auf ein eindrückliches, tief berührendes Hörerlebnis.

Michael Wersin, 06.06.2015



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