Schön, dass der gute, alte Brauch der Hausmusik wieder so gepflegt wird. Sorgte man in früheren Jahrhunderten dafür, jedes Mitglied der Familie mit einem Streichinstrument vertraut zu machen oder sich zumindest auf dem Klavier zu versuchen, um daraus ein Quartett oder auch Quintett zu formen, sieht das heutzutage ganz anders aus. Da schart ein Countertenor drei, gerne auch vier weitere befreundete Stimmfachkollegen um sich, nimmt eventuell noch einen Tenor in die Runde auf – und los geht's.
2011 praktizierte man dies erstmals und hauchte dem vergessenen Meisterwerk eines ebenso vergessenen Komponisten gehörig viel Leben ein. Die Einspielung von Leonardo Vincis letzter Oper "Artaserse" war ein echter Knaller. Max Emanuel Cencic nahm Kosten und Risiko der Produktion auf die eigenen Schultern, bot das Ergebnis seinem damaligen Label Virgin zur Veröffentlichung an, behielt aber die Rechte daran. Nach diesem Prinzip hat er seitdem nicht nur Aufnahmen mit eigener Beteiligung finanziert, sondern beispielsweise auch die beiden Recitals von Sangeskumpel Franco Fagioli für naïve.
Erst kürzlich reichte er der immer größeren Fangemeinde eine leckere Konfektschachtel namens "The 5 Countertenors", um jetzt mit einer weiteren Vinci-Premiere nachzulegen. Zwar gibt es bei "Catone in Utica" nur ein Counter-Quartett zu genießen, weil von den üblichen sechs Rollen gleich zwei an "richtige" Tenöre fallen, das Vergnügen ist aber keinen Deut geringer, auch weil Juan Sancho und Martin Mitterrutzner in puncto Virtuosität und Souveränität locker mit den Hochtönern mithalten können. Trotzdem steht und fällt die Show natürlich mit Max Emanuel Cencic, Franco Fagioli, Valer Sabadus und Vince Yi, die mit ihren unterschiedlichen Klangcharakteristika perfekt gecastet sind. Doch das Schönste ist: Diese auf so spektakulärem Niveau agierenden Sänger haben wohl selbst so viel Spaß bei ihrer speziellen Art der Hausmusik, dass wir noch auf viele weitere Launemacher hoffen dürfen.

Michael Blümke, 13.06.2015



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