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Antonio Vivaldi

L´estro armonico

Rachel Podger, Brecon Baroque

Channel Classics/New Arts International CCS36515
(97 Min., 2 & 9/2014) 2 CDs, SACDs

Es muss schon lange nicht mehr dieses exzessive Tosen und Toben sein, mit dem speziell die italienische Alte Musik-Fraktion sich am Konzertoeuvre Antonio Vivaldis zu schaffen machte und ihn dabei bisweilen erlegte. Gerne nimmt man daher Alternativangebote zur Kenntnis – wie etwa von der Insel, wo die Ladies und Gentlemen der historischen Aufführungspraxis schon immer Haltung bewahrt haben. Gleich das gesamte Konvolut „L´estro armonico”, mit dem Vivaldi 1711 die europäische Musikszene bis hin zu einem gewissen Bach aufgemischt hatte, hat jetzt die englische Barockgeigerin Rachel Podger mit dem walisischen Ensemble Brecon Baroque aufgenommen. Diese zwölf Konzerte für eine bis vier Violinen besitzen abseits ihres musikhistorischen Gewichts natürlich weiterhin ihre ungemein attraktiven Reize. Dieses gedankenvolle Säuseln, mit denen die Geige es sich zumeist in den langsamen Sätzen gemütlich machen kann, gehört zu solchen kostbaren Momenten. Und der Drive in so manchem flotten Ecksatz findet besonders gerne Gehör, wenn er wie im Fall des gemeinschaftlichen Miteinanders von Podger mit ihren gleichrangigen Mitstreitern so ganz ohne Effekt, aber dafür eben mit Stil geboten wird. Überhaupt sitzt alles vom Ausdruck und spieltechnischer Präsentation her an der absolut richtigen Stelle. Da aber das Gesamtkonzept sich allen exponierten Kühnheiten verweigert und der Rhythmus ohne irgendwelche Schärfen auskommt, wirkt alles auf Dauer etwas sehr angenehm, gefällig und – was für Vivaldi schon fast einem Todesurteil gleichkommt – mitunter gleichförmig.

Guido Fischer, 20.06.2015



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