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Bandolim

Hamilton de Holanda

MPS/Edel 0210322MS1
(59 Min.)

Die Mandoline genießt hierzulande ja nicht unbedingt den Ruf, ein allzu jazztaugliches Instrument zu sein. In Brasilien ist das anders: Da weiß man dank des 39-jährigen Mandolinisten Hamilton de Holanda, dass die Laute für so viel mehr gut ist als Bluegrass und Folk-Musik. Die ECM-Duo-Einspielung mit dem Pianisten Stefano Bollani aus dem Jahr 2013 gab Europa den ersten Vorgeschmack von den Fähigkeiten des Brasilianers, der in seiner Heimat bereits 28 Alben veröffentlicht hat. Die auf dem wiederbelebten MPS-Label erscheinende CD „Bandolim“ zeigt de Hamilton nun in seinen verschiedensten Facetten.
Bei dem Album handelt es sich um eine Werkschau der vergangenen Jahre, die de Holandas zehnsaitige Spezial-Mandoline in den verschiedensten Kontexten, von unbegleitet über Trio bis hin zu einem Quintett mit u.a. dem Mundharmonika-Spieler Gabriel Grossi, zeigt. Die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten, die der Brasilianer seinem handlichen Instrument entlockt, sind erstaunlich: Ausgehend von den Sambas und Choros seiner Heimat reicht das Spektrum von Western-Gitarren-Archaik („Sambaiba“) über Flamenco-Furor („Capricho do Sul“) und Django-Reinhardt-Virtuosität („Frevinho“) bis hin zur klassischen Gitarren-Literatur eines Villa-Lobos („Saudade de Brasilia“).
Hamilton de Holanda stellt seine Fingerfertigkeit und seine harmonische Modulations-Finesse aber stets in den Dienst der Kompositionen. Und so denkt man beim Hören von so zeit- und ortlos gerundeten Stücken wie „Deceu o Anjo“ nicht daran, dass hier ein zu Unrecht belächeltes Instrument die Hauptrolle spielt. Sondern verfolgt vielmehr interessiert die Bögen, die de Holandas Musik zwischen Jazz, Klassik und Latin spannt.

Josef Engels, 27.06.2015



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