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Minor Dispute

Petros Klampanis

Cristal Re/harmonia mundi CR234
(45 Min., 9/2013 - 1/2014)

Es gibt sie also doch noch – gute Nachrichten im Zusammenhang mit Griechenland. Verantwortlich dafür zeichnet der auf der Insel Zakynthos geborene Petros Klampanis. Der Bassist und Komponist hat sich in der New Yorker Szene, die weitaus unerbittlicher ist als Wolfgang Schäuble, einen wohlklingenden Namen gemacht.
Seine überragende internationale Dialogfähigkeit stellt der Grieche auf seiner zweiten, ebenfalls wie das Debüt unter dem „Inner Circle“-Labeldach des Saxofonisten Greg Osby erschienenen CD unter Beweis: Da treffen der israelische Gitarrist Gilad Hekselman, der französische Pianist Jean-Michel Pilc und der hörbar von der indischen Perkussionsschule beeinflusste US-Drummer John Hadfield unter Klampanis' Federführung auf ein klassisches Streicher-Sextett.
Das Resultat ist ähnlich unvorhersehbar und mäandernd wie die Kompositionen des Bandleaders. So nimmt beispielsweise das CD-Titelstück „Minor Dispute“ immer wieder überraschende Wendungen. Ein hingetupftes Klavier wird plötzlich in den Kontext dramatisch aufblitzender Streicher gestellt, um im nächsten Moment Herzstück eines feinsinnigen Piano-Trios zu sein, das schlagartig von einem scharfkantigen Bass-Groove à la Avishai Cohen aus der Duldungsstarre aufgeschreckt wird. Gitarrist Hekselman grätscht mit einem Rock-Solo hinein, darauf folgt Pilc mit unbegleiteten disharmonischen Ziselierarbeiten am Klavier, und schließlich endet alles in einer Latin-Orgie.
Wer solche unorthodoxen Stücke schreibt oder traditionelle griechische Weisen wie den Album-Schlussstein „Thalassaki“ in universale Improvisationsweltmusik zu verwandeln versteht, muss sich nicht auch noch als virtuoser Solist in den Vordergrund spielen. Diese Rolle überlässt der stille Strippenzieher am Bass den hervorragenden Kollegen Hekselman und Pilc. Von einem „Grexit“ in Jazz-Dingen kann bei Petros Klampanis jedenfalls keine Rede sein.

Josef Engels, 04.07.2015



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