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Philip Glass, Arvo Pärt, Giya Kancheli u.a.

New Seasons (2. Violinkonzert, Estonian Lullaby, Ex contrario u.a.)

Gidon Kremer, Kremerata Baltica

DG/Universal 479 4817
(78 Min., 2/2013, 9/2014)

Natürlich ist es schon eine Leistung, wenn ein Komponist über eine musikalische Handschrift verfügt, die man spätestens ab dem zweiten Takt als seine identifiziert. Beim Amerikaner Philip Glass ist das so: Mit seiner Mischung aus stets wiederkehrenden Kreisbewegungen und einer süßlichen Melodik ist er seit einem halben Jahrhundert unterwegs. Und ob es nun seine Film- oder Schauspielmusiken, seine Opern, Konzerte oder Streichquartette sind – Glass ist sich immer zu hundert Prozent treu geblieben. Daher bietet auch das 2009 uraufgeführte 2. Violinkonzert kaum Überraschungen. Mit semidramatischen Gesten drehen Soloinstrument und Orchester ihre Runden. Das Meditative und das Suggestive befinden sich in einer dieser stereotypen Dauerschleifen, die der Minimalismus eben auch zu verschulden hat. Aus was für einem ganz anderen Holz geschnitzt erweist sich da im Vergleich das Schaffen von Steve Reich!
Trotzdem kann sich Glass auf eine treue Fangemeinde auch unter namhaften Solisten verlassen. Dazu zählt eindeutig Gidon Kremer, der sein aktuelles Album „New Seasons“ eben mit dem achtsätzigen 2. Violinkonzert eröffnet hat, das den Untertitel „The American Four Seasons“ trägt. Was dahinter nun genau steckt, ist leider aus dem Booklet-Text von Kremer nicht zu erfahren. Überhaupt thematisiert er hier lieber seine Liebe für leidenschaftliche Klänge, die ohne Widerhaken auskommen dürfen. Das immerhin technisch extrem anspruchsvolle Konzert ist für Kremer ein Kinderspiel. Und in dem Solo (Nr. 7) ruft er Erinnerungen an den bedeutenden Bach-Interpreten Kremer wach. Ein Herz für die Musik des Esten Arvo Pärt und des Georgiers Giya Kancheli zeigt er danach mit einem aparten Kinderlied (Pärt) und dem spirituellen, extrem nachdenklichen Kancheli-Lamento „Ex contrario“. Und mit einem leicht osteuropäisch angehauchten Filmthema des Japaners Shigeru Umebayashi runden Kremer und die Musiker seiner Kremerata Baltica das sehr persönliche Programm ab.

Guido Fischer, 04.07.2015



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