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Edward Elgar, Hubert Parry, Herbert Howells u.a.

A Festival Of English Organ Music Vol. 2

Ben van Oosten

MDG/Naxos MDG 316 1907
(74 Min., 8/2014)

Mit diesem Schlager musste Ben van Oosten einfach den zweiten und letzten Teil seiner kleinen Retrospektive von der englischen Orgelmusik abschließen. Im Arrangement des legendären Edwin Lemare, der Anfang des 20. Jahrhunderts mit seinen Orgel-Transkriptionen schon mal 10.000 (!) Zuhörer zu seinen Konzerten anlockte, kann Oosten so in die schwungvoll und hymnisch Vollen greifen – mit Edward Elgars „Pomp and Circumstance“-Hit op. 39 Nr. 1. Und die Orgel in der Kathedrale im südenglischen Salisbury zeigt sich trotz ihres Alters von immerhin knapp 150 Jahren von ihrer vielseitig besten, mal kraftvoll zupackenden, mal geschmeidig dahingleitenden Seite. Andererseits stammt das (natürlich im Laufe der Zeit immer wieder überholte) Instrument aus der Werkstatt von Henry Willis, der das zeitgenössische Pendant zum französischen Kollegen Aristide Cavaillé-Coll war. An der 1877 fertiggestellten Orgel gibt der Niederländer Ben van Oosten erneut einen Einblick in die englische Orgelszene der Romantik und ihrer modernen Ausläufer. Schließlich wirkte etwa ein Herbert Howells, der hier mit einem chromatisch wild aufgeschäumten „Psalm-Prelude Set“ vertreten ist, ja noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein (der 1983 verstorbene Howells war übrigens auch Assistenzorganist an Salisbury Cathedral). Neben Werken von solchen für die englische Musikgeschichte extrem gewichtigen Komponisten wie Elgar, Howells sowie dem Britten-Lehrer Frank Bridge lernt man aber zudem Stücke und Namen kennen, die zumindest auf dem europäischen Musikfestland nicht gerade Berühmtheiten sind. Dazu gehört Henry Smart, der im 19. Jahrhundert einer der größten Organisten Englands war und von dem nun sanfte, in bester Bach-Tradition stehende Choral-Variationen zu hören sind. Und das für die englische Musik jener Zeit so typische Melos, das durchaus das volksmusikalische Element nicht verleugnet, ist auch in einem „Chanson de matin“ von Elgar sowie im „Song Of Sunshine“ eines gewissen Alfred Hollins zu genießen. Wobei man speziell bei Hollins´ Orgellied ohne Worte schon fast mitpfeifen möchte – so herrlich unbeschwert und ohrwurmartig kommt dieses kleine Schmuckstück daher.

Guido Fischer, 18.07.2015



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