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Days Of Freeman

James Brandon Lewis

OKeh/Sony 88875082762
(63 Min., 2/2015)

Die Verbindung zwischen Jazz und HipHop ist mittlerweile gottlob eine andere als in den 90er Jahren. Damals glaubten Improvisatoren, dass es schon reiche, einen über Miles und Monk redenden Sprechsänger irgendwo im Stück unterzubringen, um das Vertrauen der jungen Hörer zu gewinnen. Inzwischen beweisen Künstler wie Robert Glasper oder Kasami Washington, dass man Elemente des HipHop auch subtil und organisch in einem Jazz-Kontext unterbringen kann.
Der Saxofonist James Brandon Lewis wagt in dieser Hinsicht nun vielleicht den radikalsten Schritt: Auf seinem Trio-Album „Days Of Freeman“ wird sein Tenor gewissermaßen selbst zum Rapper. Auf der Grundlage der knochentrockenen E-Bass-Grooves von Jamaaladeen Tacuma und den filigranen Schlagzeugkonstruktionen von Rudy Royston keckert, schimpft, predigt und freestylt das Saxofon, als sei es ein Mitglied von A Tribe Called Quest oder Public Enemy.
Vergleiche zu dem auf der Hülle von „A Love Supreme“ abgedruckten Gebet, das John Coltrane in die Tonsprache des Jazz übersetzte, sind da nicht unangebracht. Zumal sich Lewis ganz klar in die übergeordneten Traditionszusammenhänge stellt: Gospel, Swing, Free Jazz und Dvořák, der als einer der Ersten die Wichtigkeit afroamerikanischer Musikkultur erkannt hat, sind markante Bezugspunkte für die oftmals bewusst karg und monoton gehaltenen Kompositionen.
Nur einmal ist im Titelstück ganz kurz ein echter Rapper zu hören. Ansonsten nimmt Lewis' Großmutter Pearl die wichtigste Sprechrolle auf dem Album ein. Im freundlichen Erzählton mahnt sie ihren Enkel dazu, immer er selbst zu sein. Auf „Days Of Freeman“ ist er das ohne Zweifel – als Vertreter einer Generation, die selbstverständlich mit HipHop aufwuchs und dessen DNA nun subtil und kompromisslos in den Jazz zurück zu transplantieren versteht.

Josef Engels, 18.07.2015



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