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Mario Castelnuovo-Tedesco

Concerto italiano, Violinkonzert Nr. 2

Tianwa Yang, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Pieter-Jelle de Boer

Naxos 8.573135
(63 Min., 2012)

Der Italiener Mario Castelnuovo-Tedesco ist in die jüngere Musikgeschichte als One-Hit-Wonder eingegangen. So erfreut sich sein 1. Gitarrenkonzert durchaus einiger Beliebtheit – wenngleich auch dieses nicht an die Popularität des Geschwisterwerks des fast gleichaltrigen Joaquín Rodrigo rankommt. Aber selbstverständlich hat Castelnuovo-Tedesco im Laufe seiner 73 Lebensjahre noch einiges mehr komponiert, das weniger den Intellekt als vielmehr das Herz anspricht. Dazu gehören unbedingt auch seine drei Violinkonzerte, von denen nun die vielfach ausgezeichnete Chinesin Tianwa Yang die ersten beiden eingespielt hat. Natürlich werden sich bei den Verfechtern einer visionären Moderne offiziell die Nackenhaare hochstellen – angesichts einer immer wieder großzügig auf süffiges Melos und hymnisches Pathos setzenden Klangsprache, die das (hier weltersteingespielte) „Concerto italiano“ op. 31 (1924) und das 2. Violinkonzert op. 66 (1931) miteinander verbindet. Und selbstverständlich gibt sich der fleißige Filmmusikkomponist Castelnuovo-Tedesco zu erkennen, der im amerikanischen Exil, in Hollywood zur festen Marke wurde und später solche Soundtrack-Ikonen wie John Williams und Henry Mancini zu seinen Schülern zählte.
Welcher „fortschrittliche“ Hörer aber ehrlich zu sich ist, der muss zugeben, dass ihn diese aus der Moderne gefallene Musik nicht kalt lässt. Auch nicht das einst von Jascha Heifetz und Arturo Toscanini aufgeführte Opus 66, das den Beinamen „I profeti“ trägt und so manch jüdische Melodien ohne Scheu mit großer Emotion ausbreitet. Zusammen mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, das von Dirigent Pieter-Jelle de Boer zur orchestralen Vollmundigkeit im besten Sinne animiert wird, bewältigt Tianwa Yang auch diese musikalischen Verlockungen mit einem emotionalen Engagement, bei dem trotzdem nie etwas aus dem Ruder gerät. Zugleich nimmt sie die spieltechnisch bisweilen extrem anspruchsvollen Hürden und Klippen mit souveränem Schwung und zugleich herrlich intensivem Pulsschlag. Mario Castelnuovo-Tedescos Ruf als One-Hit-Wonder könnte also endlich ein Ende haben.

Guido Fischer, 25.07.2015



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