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String Theory

Partikel

Whirlwind/Indigo 113542
(61 Min.)

Im Königreich gilt Duncan Eagles als der aufregendste Saxofonist, den die englische Jazzszene seit Denys Baptiste hervorgebracht hat. Auch wenn der junge Brite anstelle von feuriger Virtuosität mehr Wert auf durchdachte Bebop-Schrägheit legt, sind Vergleiche mit Marius Neset, dem größten Sax-Talent Europas der vergangenen Jahre, durchaus angebracht.
Das macht die dritte Einspielung von Duncans pianolosem Trio Partikel deutlich. Für das Album mit dem passenden Namen „String Theory“ haben sich Duncan, Bassist Max Luthert und Schlagzeuger Eric Ford ein Streich-Quartett hinzugeholt, und was man da gemeinsam spielt, hat in seinen Konstruktionsmechanismen einige Ähnlichkeiten mit Nesets orchestraler Denkweise. „Shimmer“ etwa könnte in der seriellen Übereinanderschichtung von Groove-Patterns glatt von dem Norweger stammen.
„String Theory“ lebt von dem dichten Interagieren der beiden Einheiten Jazz-Trio und Klassik-Quartett. Besonders klar wird das in der augenzwinkernd „Clash Of The Clans“ getauften dreiteiligen Album-Suite zu Beginn: Streicher, die wie Hornissenschwärme klingen, treffen da auf martialische Drum-Breaks. Aber die beiden konkurrierenden Clans kämpfen nicht miteinander, sondern helfen einander aus. Die Streicher umschmeicheln das Saxofon, wenn es Zuspruch bei einer lyrischen Melodielinie benötigt; das Jazztrio verfällt ins Rubato, um Geigen, Bratsche und Cello Luft zum Atmen nach Heavy-Metal-Unisonopassagen zu geben. Und dann erweist sich Violinist Benet McLean auch noch als kongenial kratzbürstiger Improvisator, der die Sprache des Jazz nicht nur versteht, sondern auch flüssig spricht.
Aber auch die Stücke aus der Feder Eagles brechen aus den üblichen Zuordnungs-Schemata aus. Tablas kommen darin vor, Tatarentänze mit sanften Peitschenhieben der Streicher und auch Tango- und Calypso-Exkurse. Dennoch wirkt das alles nicht wie ein Crossover-Experiment, sondern durchweg logisch. Eagles' Stringtheorie hat Hand und Fuß.

Josef Engels, 01.08.2015



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