Man greife nur zu einer der jahrhundertealten Ostinato-Bass-Formeln – und schon kann man nach Herzenslust loslegen, improvisieren. Zeitlich sind dabei keine strikten Grenzen gesetzt. Weshalb man sich wie im Fall einer jetzt von Rolf Lislevand und seiner Barockband arrangierten Tarantella geradezu in einen Rausch spielen kann. Rund zehn Minuten dauert diese treibende Session, bei der nicht einfach Volks- und Kunstmusik virtuos miteinander verschmolzen werden. Stilelemente aus der orientalischen und der lateinamerikanischen Musik sorgen für entsprechende Würze – auch dank eines im Booklet ungenannt gebliebenen Violinisten. Unter dem Titel „Scaramanzia” – was im Italienischen so viel wie Fluch, Verwünschung, Pech bedeutet – hat der norwegische Lautenist und Barockgitarrist Rolf Lislevand diskografisch ein weiteres Kapitel im historischen Ostinato-Bass-Segment aufgeschlagen. Und im Mittelpunkt des so ungemein quicklebendig wirkenden Programms stehen Stücke der italienischen Barockkomponisten Antonio Carbonchi, Francesco Corbetta, Giovanni Battista Granata und Domenico Pellegrini, die allesamt in ihrer Zeit europaweit bewunderte Maestri auf der Barockgitarre waren. Zusammen mit seinen drei Landsmännern Thor-Harald Johnsen, Bjørn Kjellemyr und Ulrik Gaston Larsen setzt Lislevand das auch mit Theorbe und der riesigen Colascione-Laute bestücke Saiteninstrument-Arsenal unter Starkstrom. Dann wieder meditiert man sich etwa in einer Passacaglia aus der Feder Pellegrinis in ungemein poetische Klangwelten, die einen so schnell nicht mehr freigeben.

Guido Fischer, 08.08.2015



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