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My Working Class Hero

Iiro Rantala

ACT/Edel 1095972ACT
(62 Min., 4/2015)

John Lennon hatte kein wirklich gutes Verhältnis zum Jazz. Für ihn war das „nur ein Haufen alter Leute, die bei Bier und Pfeifenrauch in einer Bar der Musik nicht zuhören.“ Am 9. Oktober wäre Lennon 75 geworden – und zum Jubiläum bekommt er nun ein Jazztribut, das ihm möglicherweise gefallen hätte.
Und zwar deshalb, weil es der Finne Iiro Rantala auf „My Working Class Hero“ nicht darauf anlegt, die einfachen Kompositionen des beliebtesten Songwriters des 20. Jahrhunderts mit großer Intellektualität und ausgefuchsten Arrangements hochzujazzen. Im Gegenteil: Mit perlenden Ostinati und strikter Melodietreue nähert sich der Finne zumeist den Stücken aus Beatles- und Ono-Tagen. Ohne freilich seinen Humor, der ihn mit Lennon verbindet, von den Tasten des prächtig in tausend Farbschattierungen klingenden Steinways, den Alfred Brendel bei seinen Konzerten in der Berliner Philharmonie spielte, zu verbannen. Bei „Watching The Wheels“ zitiert Rantala augenzwinkernd „Spinning Wheel“ von Blood, Sweat & Tears, mit „God Save The Queen“ leitet er die wahre englische Nationalhymne ein: „All You Need Is Love“.
Rantalas Version von „Just Like Starting Over“ zeigt vielleicht am besten die Vorgehensweise des Skandinaviers im Umgang mit Lennon: Das Ganze beginnt bluesy, wandert dann mit rollendem Bass Richtung Boogie, um im Refrain irgendwo zwischen Beethoven und Volkslied zu landen. Der Blues, der zum Rock 'n' Roll wurde; die Klassik, die sich in Pop-Nummern mit ewigem Haltbarkeitsdatum verwandelt: Im Endeffekt präpariert Rantala hier alles heraus, was Lennons Schreibkunst ausmachte und legt dem Hörer die Einzelteile fein säuberlich zur Begutachtung vor.
Mit Ausnahme des einigermaßen aufgebohrten „Help“ fügt Rantala den Stücken Lennons kein Leid zu. Selbst wenn er den Flügel mit einem Handtuch über den Saiten manipuliert oder milde Dissonanzen einstreut, geschieht das mit Liebe und einem subtilen pianistischen Fragezeichen, das der Finne dem von einer besseren Welt träumenden Pop-Heiligen entgegenhält. Was Lennon-Fans gewagt finden mögen, könnte auf Jazzfreunde etwas mutlos wirken.

Josef Engels, 29.08.2015



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