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Harald Genzmer

Solo-Konzerte mit Orchester

Edgar Krapp, Peter Sadlo, Oliver Triendl, Bamberger Symphoniker, Werner Andreas Albert

Thorofon/Klassik-Center CTH 2494
(74 Min., 10/2003, 12/2003) 1 CD

Mit seinen 95 Jahren kann Harald Glenzmer viel erzählen. Von seinen Lehrjahren bei Paul Hindemith, von seinen Musiktheaterfahrungen in Breslau und besonders von seiner Tätigkeit als Pädagoge. In seinen Kompositionen jedoch, mit denen Genzmer im Laufe der Jahrzehnte nahezu jede Gattung ins Visier genommen hat, bleibt er rückblickend erstaunlich nichts sagend. Da ist er trotz aller Virtuosität gerade in den Solo-Konzerten ein Handwerker geblieben, der unbeirrt an seinem moderaten, oftmals pathetisch aufgeblähten Verständnis von der Moderne festgehalten hat. Einen schlagenderen Beweis dafür kann es daher eigentlich gar nicht geben als die Einspielung von drei Konzerten, die zwischen 1948 (Klavierkonzert) und 1978 (Schlagzeugkonzert) entstanden sind. Und mit denen Genzmer stoisch alles ignoriert hat, was sich dies- und jenseits von Zwölftönigkeit und Neuer Einfachheit so entwickeln sollte.
Ein Makel muss das grundsätzlich nicht sein. Wenn aber ein Komponist mit knapp vierzig Jahren kurz nach dem Krieg nicht über eine hollywoodeske Karikatur von Bartók und Schostakowitsch hinauskommt, er sein Klavierkonzert üppig brillant, aber doch nur leer laufend anlegt, dann darf das nicht als künstlerischer Reflex auf die Stunde Null missverstanden werden. Schon da hatte Genzmer zu einer Musiksprache gefunden, die ihrem unraffinierten Wechselspiel aus Neo-Romantik und -Klassizismus lediglich in Nuancen modifiziert wurde. Weshalb bei dem emphatisch drängenden Orgelkonzert von 1970 genauso wenig Überraschungen zu entdecken sind, wie in dem Schlagzeugkonzert, das mit Fanfaren-Anklängen und perkussiver "West-Side-Story"-Aufgeregtheit angedickt worden ist. Die Solisten sowie die Bamberger Symphoniker lassen immerhin keinen Zweifel aufkommen, dass sie gerne auf dieser Retro-Welle mitschwimmen.

Guido Fischer, 06.03.2004



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