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Voyage à Buenos Aires

Vibratanghissimo

Big Tone Records/Record Partner BTR 0615
(77 Min., 11/2014)

Nach über zehn Jahren der Zusammenarbeit erfüllte sich für das Berliner Quartett Vibratanghissimo der große Traum: Die Band reiste dorthin, wo der Quell ihrer Tango-Nuevo-Musik liegt, nach Buenos Aires. Die Konzertreise war ein voller Erfolg – so bescheinigte Astor Piazzollas Witwe Laura dem Viererbund einen absolut einzigartigen Zugang zu den Kompositionen ihres verstorbenen Mannes.
Mit diesem Lob im Gepäck gab das Quartett im Berliner Club Schlot ein Konzert mit dem Buenos-Aires-Programm. Man hört da deutlich, was Piazzollas Witwe meinte. Ohne das Bandoneon, das Kern-Instrument des Tango Nuevo, kommt Vibratanghissimo aus. Stattdessen sorgt – wie es sich schon im Bandnamen andeutet – Oli Botts Vibrafon für eine delikate, im Obertonbereich perlende Erweiterung der Farbpalette, mit der Bratschist Juan Lucas Aisemberg, Pianistin Tuyêt Pham und Bassist Arnulf Ballhorn die Stücke von argentinischen Komponisten wie Alberto Ginastera, Ariel Ramirez und natürlich Piazzolla mit großer Inbrunst und Akkuratesse ausmalen.
Band-Gründer Aisemberg erweist sich dabei auf der Viola als perfektes Transportmittel für die musikalischen Dramen, die sich in den Tango-Kompositionen entfalten: In dem mit flachem Atem gespielten „Triste“ von Ginastera dringt er vor in das dunkle Herz der Traurigkeit, mit rauchigem Timbre treibt er Botts an Gershwins „Summertime“ erinnerndes „La Obertura“ voran, im leicht slapstickhaften „Grillito“ von Horacio Salgan kratzt und schabt er am Steg wie ein Geräuschmacher im Stummfilm.
Gegen Ende von „Voyage à Buenos Aires“ wagt das bis dahin mit einem dezidiert klassichen Ansatz agierende Quartett dann auch erfolgreich den Sprung zum Latinjazz. In Botts 14-minütigem „Vals del Tiempo Que Fue“ mit seinem flexiblen 6/8-Groove erhalten E-Bass und Vibrafon Gelegenheiten für ausgedehnte Soli. Beim Berliner Konzert zeigte man sich von der kammerjazzigen Fortführung des Tango Nuevo so begeistert wie in Buenos Aires.

Josef Engels, 05.09.2015



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