Responsive image
Robert Johnson, John Dowland, Thomas Campion u.a.

Flow My Tears

Iestyn Davies, Thomas Dunford, Jonathan Manson

Wigmore Hall/harmonia mundi WHL0074
(76 Min., 7/2013)

Bei uns ist er noch nicht allzu bekannt, aber das sollte sich möglichst rasch ändern: Der 1979 im englischen York geborene Countertenor Iestyn Davies stellt im vorliegenden Live-Mitschnitt ein hohes Maß an interpretatorischer Differenziertheit und stimmlicher Brillanz unter Beweis. Mit barocken Lautenliedern von Robert Johnson, John Dowland, Thomas Campion und anderen erzeugt er eine solche Intimität und atmosphärische Dichte, dass auch der Hörer am heimischen CD-Spieler nur gebannt lauschen kann; das Publikum der Londoner Wigmore Hall dürfte geradezu gefesselt gewesen sein angesichts solcher künstlerischer Reife.
Davies‘ Altus-Gesang ist zunächst im Hinblick auf sein Timbre deshalb so angenehm, weil ihm einerseits jegliche Affektiertheit, andererseits aber auch jene klangliche Säuernis fehlt, die den Darbietungen mancher seiner Fachkollegen gelegentlich den Beigeschmack des „Provisorischen“ verleihen („wäre mit einem weiblichen Alt vielleicht doch schöner gewesen“). Natürlichkeit der Stimmproduktion scheint ihm oberstes Gebot zu sein, und sie macht den Weg frei für eine ebensolche Natürlichkeit im Umgang mit Text und Textausdruck: Schier zeitlos kommen etwa Dowlands Liebesklagen daher – Iestyn Davies versteht es, einfach von Seele zu Seele zu sprechen.

Michael Wersin, 12.09.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zugegeben: Letzte Woche haben wir mit unserer CD-Empfehlung ganz schöne Hör-Kalorien aufgetischt. Dagegen wirkt das a-capella-Album deutscher Adventslieder von Schwesternhochfünf wie ein Spaziergang im Winterwald: klar, kühl, konzentriert. Die Stimmen beginnen im Einklang wie ein Schwesternkonvent der Hildegard-von-Bingen-Zeit, doch schon, wenn beim Arrangement von „Maria durch ein Dornwald ging“ hörbar ein Geflecht aus Sekunden und Reibungen zu flirren beginnt, zeigt das Album, was in […] mehr »


Top