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Everyday

Yaron Herman

Blue Note/Universal 4720743
(46 Min.)

Ein Pianist, allein und ungeschützt, der mit kristallinem Anschlag, klassischem Kontrapunkt und großer Melodieseligkeit sein Instrument zum Abheben bringt: Wenn man es nicht genau wüsste, könnte man das erste Stück auf Yaron Hermans „Everyday“ auch für einen der berühmten Alleingänge von Keith Jarrett halten. Es ist eine hübsche Finte: Denn Yarons Blue-Note-Debüt entpuppt sich im weiteren Verlauf nicht als Solo-Piano-Scheibe, sondern über weite Strecken als ein Fall für zwei.
Der in Paris lebende Israeli greift im Zusammenspiel mit seinem Landsmann Ziv Ravitz dabei ein Konzept auf, mit dem er 2003 seine Aufnahme-Karriere begann: Piano meets Drums. „Takes 2 To Know 1“ hieß die Einspielung damals vielsagend. Gleiches gilt nun auch für „Everyday“.
Herman und Ravitz ergänzen sich prächtig und verwandeln sich zu einem einzigen musikalischen Individuum mit ausgesprochen vielseitigen Interessen: Klassisches von Skrjabin steht da neben Nahöstlich-Volksliedhaftem wie im Titeltrack „Everyday“; Chick-Corea-Artistik und Jarrett-Verträumtheit gesellen sich zu Postrock wie im Rausschmeißer „18.26“ oder zu Indie-Folk wie in dem von der isländischen Sängerin Helgi Jónsson unter Streicherbegleitung gesungenen „Volcano“.
Die Kombination aus knochentrockenen modernen Drum-Grooves und aus allen Quellen der Jazz-Klavier-Ästhetik der vergangenen vier Jahrzehnte schöpfenden Piano-Behandlung lässt einen prominenten Kollegen regelrecht alt ausschauen: Im Vergleich zu Brad Mehldaus psychedelischem Keyboard-Drum-Duo „Mehliana“ mit dem Schlagzeuger Mark Guiliana wirkt Hermans und Ravitz' „Everyday“ deutlich frischer.

Josef Engels, 12.09.2015



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