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Alexander Mosolov

Klavierkonzert Nr. 1, „Die Eisengießerei“, Klaviersonate Nr. 1 u.a.

Steffen Schleiermacher, RSO Berlin, Johannes Kalitzke, Natalia Pschenitschnikova u.a.

Capriccio/Naxos C5241
(55 Min., 2/2014)

„Irato“ (zornig), „estatico“ (ekstatisch), „impetuoso“ (stürmisch) und „con tutta forza“ (mit aller Kraft) – mit solch eindeutigen Spielanweisungen für den Pianisten fegte Alexander Mosolov jeglichen Anflug von säuselndem Klavierromantisieren weg. Schließlich zählte für Mosolov nur der neue Zeitgeist, die Revolution, der Aufbruch. Und statt gedankenverloren im Kämmerchen oder Salon herumzuklimpern, packte der frischgeborene Sowjetbürger in den 1920er Jahren mit seinen Kompositionen mit an und krempelte die Ärmel hoch. Sein bekanntestes Werk hat es inzwischen auch in deutsche Silvesterkonzerte geschafft. Es ist das aus der Ballettmusik „Stahl“ stammende Orchesterstück „Die Eisengießerei“, bei dem es dank der mechanisierten Rhythmen in einer Tour derart stampft und dampft, dass auch die Musiker vom Berliner RSO richtig „malochen“ müssen und ins Schwitzen geraten.
Ähnlich in Fahrt kommt ebenfalls die aus „Stahl“ stammende Szene „Die Ankunft des Traktors im Kolchos“ – wenngleich gegen Ende das Feierlich-Hymnische dann doch etwas nervt. Neben diesen kurzen Muntermachern gibt es bei diesem Mosolov-Porträt die 1. Klaviersonate op. 3 zu entdecken, die mit ihrer Mischung aus suggestivem Klangfarbenflimmern und wuchtiger Polytonalität fast jeder Skrjabin-Sonate Konkurrenz machen könnte. Die „Vier Zeitungsanzeigen“ für Sopran und Klavier geben sich dagegen trotz ihrer aus dem Leben gegriffenen Texte etwa aus der Feder von Kammerjägern vielleicht ein wenig zu gespreizt. Dafür stellt sich die Legende für Cello und Klavier mit leichtem Blues- und Jazz-Flair vor. Auch hier liegt der Klavierpart in den bewährten Händen von Steffen Schleiermacher und damit eines Pianisten, der wie fast kein Zweiter sich auch mit dieser leicht vergessenen Moderne auskennt (sein ähnlich neugieriger Kollege Herbert Henck scheint mittlerweile leider nahezu verstummt zu sein). Im Zentrum der Aufnahme steht nun Mosolovs 1. Klavierkonzert, bei dem es in bester Prokofjew-Manier brodelt, stampft und wütet. Und Schleiermacher spielt es so, wie sich der Komponist es wohl gewünscht hätte: „infernale“, „ironico“ und nicht zuletzt „con tutta forza“!

Guido Fischer, 12.09.2015



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