Responsive image
Alexander Gretschaninow, Sergei Rachmaninow

Russian Works For Cello & Piano

Katharina Deserno, Nenad Lečić

Kaleidos/Medienvertrieb Heinzelmann KAL 63272
(75 Min., 2/2015)

Man stelle ein Glas guten, kräftigen Rotweins bereit und entzünde die Kerzen – was für ein wunderbares Programm! Schon die ersten Kantilenen der wenig bekannten Cello-Sonate von Alexander Gretschaninow verfehlen ihre Wirkung nicht, und im bald beginnenden Allegro-Agitato-Abschnitt des Kopfsatzes begeistern besonders die perlenden Klavierfiguren, die Nenad Lečić mit brillanter Fingerfertigkeit produziert. Sein ebenso abwechslungsreiches wie flexibles Klavierspiel paart sich hervorragend mit Katharina Desernos bemerkenswertem Können am Cello: Sie fasziniert vor allem durch ihr dunkles, ein wenig verhangenes Timbre, das die eigenwillige Musik Gretschaninows wie eine Aura zu umfassen scheint. Nach einem merkwürdigen Menuett als Mittelsatz beschließt ein aufgewühltes Allegro-Finale diese unbedingt hörenswerte Sonate.
Mehr von Gretschaninow präsentieren die beiden Künstler in Gestalt einer „Nocturne“ sowie dreier Charakterstücke aus einem Zyklus namens „In der Frühe“. Dazwischen führen sie den Hörer mit Rachmaninows Cello-Sonate und seiner „Vocalise“ auf bekannteres Terrain. Die Sonate begeistert gerade in der vorliegenden nuancierten, differenzierten Interpretation durch die Vielfalt der in ihr musikalisch verarbeiteten Ausdrucksnuancen – Rachmaninow schrieb sie nach seiner erfolgreichen Therapie bei Nikolai Dahl, der ihn von seinen Depressionen geheilt und einen Strom neuer Kreativität in ihm freigesetzt hatte. Deserno und Lečić folgen der Intention des Komponisten engagiert aus der überschäumenden Fülle ihrer technischen Perfektion und ihrer gemeinsamen kammermusikalischen Erfahrung heraus. Es ist eine reine Freude, ihrem vollendeten Spiel zu lauschen.

Michael Wersin, 26.09.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Nichts für Angsthasen: Das sommernachts-freiluftig dahinflutende Oktett von Franz Schubert ist in Wahrheit auch ein Durchbruch nach mehreren Jahren sinfonischer Quälerei. An der Überfigur Beethoven haben sich etliche Generationen von Komponisten die Zähne ausgebissen, und wie später auch Johannes Brahms fand Schubert in der Kammermusik eine Hintertür zum eigenen Stil in der Sinfonik. Die Besetzung mit solistischen Holzbläsern und Streichern entspricht klanglich einem agilen, warm […] mehr »


Top