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We Are The Drum

Kendrick Scott Oracle

Blue Note/Universal 4735153
(68 Min.)

Für den Trompeter Terence Blanchard, den prominentesten Arbeitgeber des 1980 in Houston geborenen Drummers Kendrick Scott, ist klar: „Scott ist zum Art Blakey, Elvin Jones und Tony Williams seiner Generation geworden.“ „We Are The Drum“ heißt nun die dritte Aufnahme von Scotts eigener Band Oracle. Das Album ist aber ungeachtet seines Titels kein perkussiver Ego-Trip mit Melodie- und Harmonie-Beilage. Sondern, ganz im Geiste seiner von Blanchard bemühten Vorgänger, das gemeinsame Statement einer großartigen Gruppe verschiedener Individuen.
Die Stücke von Oracle haben oftmals einen hymnischen Gestus und bewegen sich in Kreisstrukturen; sie wirken einfach und sind doch voller kompositorischer Feinheiten. John Ellis, der am Sopransaxofon an Wayne Shorter erinnert, und Michael Moreno, der sich an der E-Gitarre äußerster Bescheidenheit verschrieben hat, teilen sich die Themen wie zwei Moderatoren bei der Sportübertragung. Mal spricht der eine, dann der andere, mal kommentiert man sich gegenseitig – und gejubelt wird gemeinsam.
Taylor Eigstis schwelgerische Akkorde im Bill-Evans-Idiom und Joe Sanders unbeirrbarer Bass liefern dazu das Gerüst, die Leiter und kontrapunktische Gegenlinien, die sich wie Eilmeldungen durch die musikalischen Texturen ziehen. Und Kendrick Scott erweist sich als der nimmermüde Impulsgeber des Quintetts, zuweilen mit kurzen solistischen Einwürfen am Anfang der Stücke, und immer brodelnd präsent im weiteren Verlauf.
Wie recht Blanchard mit seiner Einschätzung hat, zeigt sich an zwei Stellen auf „We Are The Drum“: Bei „Synchrony“, der nervös swingenden Verbeugung vor Tony Williams und dem zweiten Miles-Davis-Quintett, und bei „Never Catch Me“, der umwerfenden Umsetzung eines Rap-Stücks von Kendrick Lamar und Flying Lotus. Wer über Vergangenheit und Gegenwart der afroamerikanischen Musik so energiegeladen gebietet wie Scott, ist wahrhaft ein Großer.

Josef Engels, 03.10.2015



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