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Fables

Girls In Airports

Edition/harmonia mundi EDN 1061
(39 Min., 3/2015)

Es ist alles ein bisschen verwirrend: „Girls In Airports“ sind keine Stewardessen, sondern fünf Männer aus Kopenhagen. Und auch die Geschichte hinter dem Titel ihres vierten Albums sorgt für Stirnrunzeln. „Fables“ bezieht sich auf Charles Mingus' „Fables Of Faubus“, behauptet die Band; doch was genau die Hervorbringung der Dänen mit der bärbeißigen Hymne gegen die Rassentrennung zu tun hat, bleibt unklar. Zumal „Girls In Airports“ zwar aus zwei Saxofonisten, einem Keyboarder und zwei Schlagwerkern besteht, aber niemanden in seinen Reihen hat, der wie Mingus Kontrabass spielt.
Das Heraufbeschwören von Assoziationen, ohne sich dabei an allzu Verbindliches wie Song-Strukturen, wiedererkennbare Themen oder klassische Spannungsbögen zu halten, erweist sich auf „Fables“ als die Spezialität des Quintetts. Die Musik hat einen eigenen Fluss, der still vor sich hin fließt, dann plötzlich abebbt, hernach wieder vor sich hin plätschert. Percussion-Grooves, mal mit chinesischen Gongs, mal mit Marimba erklingen vom Ufer her, Saxofone und Bassklarinetten stimmen dazu ein, als seien sie eigentümlich heisere Nachtvögel aus dem Dschungel beim Liebesspiel. Mittendrin, wie ein notgelandetes Raumschiff, sendet ein Vintage-Synthesizer Signale aus den frühen 70er Jahren und Bassgebrummel.
Das alles ist zwar atmosphärisch durchaus dicht und kitzelt das Unterbewusstsein, bleibt dabei aber oftmals bloß interessante Hintergrundmusik. Man könnte es auch so sagen: „Girls In Airports” machen auf „Fables” eine Art Galerieeröffnungs-Jazz für urbane Hipster-Viertel.

Josef Engels, 10.10.2015



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