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Francesco Cavalli

L’Amore innamorato

Nuria Rial, Hana Blažíková, L´Arpeggiata, Christina Pluhar

Erato/Warner 2564616643
(66 Min., 12/2014)

Francesco Cavalli (1602-1676) ist der venezianische Opern-Starkomponist des 17. Jahrhunderts: Von über vierzig Werken dieser Gattung aus seiner Feder wissen wir. Einige davon sind verschollen, und den Titel eines dieser verlorenen Werke – „L’Amore innamorato“ – hat Ensembleleiterin Christina Pluhar kurzerhand zur klangvollen Überschrift eines Arien-Rezitals gemacht, das im Wesentlichen Arien aus sieben Bühnenwerken Cavallis vereint.
Soweit das Projekt – eine gute Idee, fürwahr. Aber entscheidend ist letztendlich doch die Umsetzung, und die scheint hier eng verknüpft zu sein mit den persönlichen Idealen, Wünschen und Zielen von Christina Pluhars Ensemblearbeit (eine Bonus-DVD „15 Jahre L’Arpeggiata“ liegt bei): Die Selbstverständlichkeit, mit der unter ihrer Leitung die beiden fantastisch disponierten Sängerinnen vom handverlesenen Instrumentalensemble begleitet werden, kann insgesamt nur das beglückende Ergebnis eines Lebens mit dieser und für diese Musik sein. Zwanzig Gleichgesinnte hat Pluhar um sich geschart, jeder von ihnen ein Könner und Spezialist auf seinem Gebiet. Wer die mageren Partituren jener Zeit gesehen hat, weiß, wie hoch der improvisatorische Anteil in dieser Musik ist: Besetzung und Ausführung der Continuo-Ebene, die nicht nur harmonische Fülle gibt, sondern auch für Bewegung sorgt; Verzierungen und Diminutionen der Melodieinstrumente und Gesangsstimmen; Dynamik und Agogik – all dies obliegt der Kreativität der Musiker, vorgegeben sind im Grunde nur Melodie und Bass.
Und ebenjene unverzichtbare Kreativität auf der Basis optimaler Beherrschung des je eigenen Bereichs zeichnet die Kräfte dieses Ensembles aus. So entsteht eine gute Stunde zeitlos schöne Musik des Frühbarock: Lamenti entfalten ihren melancholischen Zauber, instrumentale Ensembleklänge, gewürzt durch wohldosierte Virtuosität, paaren sich mit unnachahmlichen vokalen Reizen, die wiederum einer perfekten Balance zwischen Wort und Melos entfließen. Die abendländische Tradition lebt nicht in Museen und Schallarchiven, sondern sie spricht mit höchster Eindringlichkeit zu uns. Wir sind bewegt und begeistert.

Michael Wersin, 24.10.2015



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