Responsive image
Benedetto Marcello

Psalms

Voces8, Les Inventions, Barnaby Smith, Patrick Ayrton

Signum/Note 1 SIGCD391
(60 Min., 8/2012)

Benedetto Marcellos barocke Psalmen-Dramatisierungen, basierend auf Textparaphrasen von Girolamo Ascanio Giustiniani, zählen zu den reizvollsten ihrer Art, vergleichbar allenfalls mit entsprechenden Werken von Francesco Durante oder Leonardo Leo. Marcello bringt die hochbarocke Kunst der unmittelbar „sprechenden“ musikalischen Umsetzung des Textes in ihrer gesamten Breite zur Anwendung: Lamento-Bässe, rezitativische und ariose Solopassagen, kraftvolle chorische Unisono-Passagen, imitatorische Satzweise, Chromatik – der Vielfalt im Dienste des Bibelwortes sind kaum Grenzen gesetzt. Besonderheit der vorliegenden Aufnahme ist, dass hier eine zeitgenössische englische Textübersetzung präsentiert wird: Marcello war schon beinahe zwei Jahrzehnte unter der Erde, als der Engländer Charles Avison seine englischsprachige Version in London edierte. Sie rückt Marcellos Musik hier und da kurioserweise in die Nähe von Georg Friedrich Händels Oratorien-Idiomatik, sie überlagert scheinbar ein wenig die italienische Stilistik – aber war der hochbarocke Musikstil unbeschadet nationaler Nuancierungen nicht ohnehin ein gesamteuropäischer? Wie auch immer: Den Musikern von „Voces8“ und „Les Inventions“ gelingt u.a. auf Basis der abwechslungsreichen Gestaltung der Continuo-Ebene, aber auch mittels hoher sprachlicher und sprachgeneriert rhetorischer Prägnanz im vokalen wie im instrumentalen Bereich eine ungemein plastische, wohlklingende, ja fesselnde Umsetzung der Psalmvertonungen Benedetto Marcellos. Angesichts der bisher geringen Zahl von Aufnahmen eine echte Bereicherung.

Michael Wersin, 24.10.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zugegeben: Letzte Woche haben wir mit unserer CD-Empfehlung ganz schöne Hör-Kalorien aufgetischt. Dagegen wirkt das a-capella-Album deutscher Adventslieder von Schwesternhochfünf wie ein Spaziergang im Winterwald: klar, kühl, konzentriert. Die Stimmen beginnen im Einklang wie ein Schwesternkonvent der Hildegard-von-Bingen-Zeit, doch schon, wenn beim Arrangement von „Maria durch ein Dornwald ging“ hörbar ein Geflecht aus Sekunden und Reibungen zu flirren beginnt, zeigt das Album, was in […] mehr »


Top