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Johann Gottfried Walther

Complete Organ Music

Simone Stella

Brillant/Edel 1094730BRC
(2013) 12 CDs

Johann Sebastian Bachs entfernter Verwandter Johann Gottfried Walther ist ohne Zweifel ein bedeutender Orgelkomponist des Hochbarock – selbst wenn sein Werk als Ganzes freilich nicht so innovativ und einzigartig ist wie dasjenige Bachs. Seine zahlreichen Choralvorspiele, die den bei weitem größten Teil seiner Orgelmusik ausmachen, harren noch einer eingehenden, systematischen Erforschung ihres Gehaltes in puncto Wort-Ton-Bezug vor dem Hintergrund der protestantischen Theologie. Die vorliegende Gesamtaufnahme aller Waltherschen Orgelwerke auf zwölf CDs, von denen neun Choralbearbeitungen enthalten, erleichtert nun maßgeblich die vertiefte Beschäftigung mit diesem eindrucksvollen Bestand.
Von Bedeutung sind außerdem vor allem auch Walthers Concerto-Bearbeitungen, die zwei der CDs füllen. Mit diesen reizvollen Werken präsentiert sich Walther ebenso wie Bach als einer der frühen Rezeptoren jener seinerzeit neu von Italien her nach Deutschland vordringenden Gattung: Bach und Walther unterrichteten in Weimar beide den jungen Prinzen Johann Ernst von Sachsen-Weimar, der großes Interesse an solcher Musik hatte und sich entsprechende Druckausgaben u.a. aus Amsterdam beschaffte. Seine Orgellehrer bearbeiteten für ihn eine beachtliche Zahl italienischer Concerti für die Orgel.
Der italienische Organist Simone Stella hat Walthers gesammelte Werke an der erst 2006 erbauten Orgel der Kirche S. Antonio Abate in Padua eingespielt. Das prächtige Instrument mit seinen 25 Registern auf zwei Manualen und Pedal eignet sich hervorragend für diese Musik, und Stella brilliert mit einer historisch inspirierten, zupackend-virtuosen, energiegeladenen Spielweise, womit er sich bestmöglich als engagierter Anwalt für Walthers Orgelmusik profiliert.

Michael Wersin, 31.10.2015



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