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Leoš Janáček, Antonín Dvořák

Sinfonietta, 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“

Jos van Immerseel, Anima Eterna Brugge

Alpha/Note 1 ALP206
(71 Min., 3/2015)

Dvořáks „Neunte“ in einer Neueinspielung – dafür gibt es kaum Argumente mehr. Denn selbst an großartigen Low-Price-Einspielungen mangelt es nicht. Und längst wurde sie auch klangauthentisch radikalen Entschlackungskuren unterzogen (wobei letzthin Nikolaus Harnoncourt den Bogen dabei überspannte). Wenn sich aber nun Jos van Immerseel Dvořáks Ohrwurm annimmt, dann steigen plötzlich die Erwartungen wieder an. Immerhin hat es der Belgier mit seinem Orchester Anima Eterna Brugge geschafft, selbst bei den von Kollegen der historischen Aufführungspraxis bereits aufregend neu ausgeleuchteten Repertoirehits etwas zu entdecken, was eine weitere Einspielung rechtfertigte. Bei den Sinfonien von Beethoven und Schubert war das so. Und auch bei Ravels „Boléro“.
Wahre Wunderdinge bietet Immerseels „Aus der neuen Welt“ nun zwar nicht. Trotzdem ist sie mitreißend. Was auch an der von sämtlichen Pathospartikeln gereinigten Gangart liegt, die jetzt vor allem die Holz- und Blechbläser in herrlich natürlichstem Licht erstrahlen und singen lässt. Und der dritte Satz besitzt nicht nur feinsten kantablen Fluss, sondern einen Drive ohne diese plumpe Hemdsärmligkeit.
Was den eher märchenhaften Charakter der tschechischen Musik angeht, schlägt Immerseel im zweiten Hauptstück, in Leoš Janáčeks Sinfonietta sogar einen verlockend schönen Ton an, der durchaus an Dvořáks Oper „Rusalka“ erinnert. Gleichzeitig garantieren die Musiker auf ihren historischen Instrumenten im Opulenten, Frechen, Süffigen, Sakralen und burlesk Folkloristischen eine außergewöhnliche Ausdrucksbreite und Durchhörbarkeit eines Werks, das der Dirigent seit seiner Studentenzeit unbedingt einmal aufnehmen wollte. Und wie sich nachhören lässt, war jetzt dafür genaue der richtige Zeitpunkt gekommen.

Guido Fischer, 21.11.2015



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