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Christoph Willibald Gluck

Orfeo ed Euridice

Franco Fagioli, Malin Hartelius, Emmanuelle de Negri, Accentus, Insula Orchestra, Laurence Equilbey

DG/Universal 479 5315
(152 Min., 4/2015) 2 + Bonus-CD CDs

Schon 2007 machte der argentinische Countertenor Franco Fagioli in einer Gluck-Oper von sich hören. Damals sang er bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen die Titelpartie der Opera seria „Ezio“, bei der er mit Koloraturensprints zeigen konnte, was er technisch so drauf hat. Fast zehn Jahre später ist Fagioli, der seitdem die Karriereleiter mächtig hinaufgefallen ist, nun in eine völlig andere Paraderolle von Gluck geschlüpft. Gemeint ist natürlich der „Orfeo“, bei dem es nicht um sängerische Rekorde und Schaumschlägereien geht, sondern ausschließlich um die menschliche Existenz mit all ihren Höhen und Tiefen. Das Noble und Dramatische in Glucks Musik, ihre Wärme und Anteilnahme findet so nun in Fagioli, aber auch in seinen beiden Partnerinnen die Idealbesetzung. Sängerisch auf allerhöchstem Niveau bewegt sich dieses Trio Fagioli (Orfeo), Malin Hartelius (Euridice) und Emmanuelle de Negri (Amore) mal federnd beschwingt, um dann wieder die gesamte Palette lyrischer, anrührender, aber nie zu üppig aufgetragener Farben auszukosten. Geradezu organisch fügen sich der Chor Accentus und das auf historischen Instrumenten spielende Insula Orchestra in dieses packende Opernmenschendrama ein – wobei sich Dirigentin Laurence Equilbey noch einen besonderen Wunsch erfüllte. Neben der Kompletteinspielung der Wiener Originalfassung des „Orfeo“ von 1762 durfte sie quasi auf einer Bonus-CD einige Highlights mit Filetstücken aus der Pariser Fassung von 1774 kompilieren. Und dass sich darunter auch die Arie „Addio, o miei sospiri!“ findet, kann man nicht hoch genug loben. Schließlich schwebt Franco Fagioli auch da bis zu den Spitzentönen hinauf, als wäre es das Leichteste von der Welt.

Guido Fischer, 21.11.2015



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