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Diving

Ellen Andrea Wang

Propeller Recordings
(50 Min.)

„Ich wollte die Regeln ein wenig herausfordern“, sagt die 1986 in Oslo geborene Bassistin und Sängerin Ellen Andrea Wang über ihr erstes Soloalbum. Und das ist der jungen Norwegerin auch vollauf gelungen: „Diving“, eingespielt im Trio-Format mit dem Keyboarder und Pianisten Andreas Ulvo sowie dem Schlagzeuger Erland Dahlen, ist in jeder Hinsicht unorthodox.
Zum einen klingt das Dreiergespann so, als wäre es eine mindestens doppelt so große Gruppe. Mit Vokalschichtungen, gestrichenen Kontrabass-Flächen und vielen klug eingesetzten Spielereien mit Effektgeräten erreicht es Wang, dass ihre Musik beinahe schon orchestrale Wirkung erzielt. Zum anderen schert sich die Osloerin nicht um scharf umrissene Genregrenzen zwischen Pop, Punk und Jazz. Unbekümmert vermischt sie in ihren Kompositionen Melodiewendungen im Geiste Stevie Wonders mit zeitgenössischem R&B und treibenden Rockrhythmen. Ihre Gesangs-Stimme hat mal die Unschuld einer Silje Nergaard, mal die stakkatohafte Finesse einer Erykah Badu.
Als Bassistin favorisiert die Norwegerin den erdigen Soul eines Charles Mingus. Virtuosität wie in dem etüdenhaften, gerade mal 56 Sekunden währenden Titelstück „Diving“ ist ihr kein protzerisches Kernanliegen. Sehr schön zeigt sich das in ihrem ruhigen, ungemein tiefen Solo, das die Ballade „Sacred“, das „skandinavischste“ Stück auf ihrem Album, krönt. So oder so ist klar: Norwegen hat jetzt auch eine Esperanza Spalding.

Josef Engels, 28.11.2015



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