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Julius Reubke

Klaviersonate c-Moll „Der 94. Psalm“, Klaviersonate b-Moll u.a.

Markus Becker

Hyperion/Note 1 CDA68119
(59 Min., 10/2014)

Julius Reubke, ein im Jahre 1858 nur 24-jährig verstorbener Komponist und Tastenvirtuose, ist allenfalls den fleißigen Besuchern von Orgelkonzerten wirklich ein Begriff: Seine große Orgelsonate „Der 94. Psalm“, beeinflusst von Liszts „Ad nos salutarem undam“, zählt nach wie vor zu den großen Herausforderungen an der Königin der Instrumente. Auf der vorliegenden CD erklingt sie in einer Bearbeitung für Klavier von August Stradal. Und sie präsentiert sich in Gesellschaft eines Schwesterwerks: Reubke komponierte auch eine große Klaviersonate in b-Moll, die gleichfalls in Beziehung steht zu Franz Liszt und seiner h-Moll-Sonate.
Liszt war, das ist nun unschwer zu erkennen, ein wichtiges Vorbild für Reubke; aber das Verhältnis war keine Einbahnstraße: Auch Liszt hat Reubkes Musik sehr geschätzt, und seine b-Moll-Sonate hat er selbst oft gespielt. Das Werk verblüfft beim Hören: Es gibt eine Menge Passagen, für die Liszt sehr deutlich Pate gestanden hat, aber auch sehr viel ganz Eigenständiges. Faszinierend ist der im Vergleich dunklere Tonfall und auch der dickere Akkordsatz, durch den Reubkes Sonate den Charakter eines dunklen Gegenentwurfs zur Liszt-Sonate erhält.
In der transkribierten Orgelsonate begeistert besonders die hochvirtuose Schlussfuge – der Pianist Markus Becker, der in dem ganzen Programm eigentlich fast nirgends eine Verschnaufpause hat, steigert die romantische Polyphonie zu immer neuen Höhepunkten. Beckers Kräfte scheinen unerschöpflich, seine Finger werden unter dem permanenten Wechsel zwischen dicken Akkorden und oft unhandlichem Passagenwerk offenbar niemals müde. Höchste Anerkennung verdient er auch dafür, dass er sich diese beiden Brocken „draufgeschafft“ hat – man muss wohl ein Fanatiker sein, um solche selten gehörte Musik zu der auf dieser CD zu erlebenden Perfektion in der Darbietung zu bringen.

Michael Wersin, 05.12.2015



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