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The Roger Cicero Jazz Experience

Roger Cicero

Wavemusic/Sony 425037870165
(53 Min.)

So ganz kann er es nicht lassen: An einer Stelle seiner ausschließlich englischsprachig gehaltenen ersten Jazz-Platte unter eigenem Namen kokettiert Roger Cicero noch einmal mit seinem Image als Experte für die Abstrusitäten des Zusammenlebens der Geschlechter – einem Ruf, den er sich mit seinem kommerziellen Durchbruch „Männersachen“ erworben hat. „Benny's From Heaven“, das von einem Mann handelt, der nach drei Jahren Militärdienst in weiter Ferne nach Hause kommt und seine Frau mit einem Baby vorfindet, das nicht seines sein kann, hätte sich auf Deutsch auch gut in Ciceros altes Deutschpop-Swing-Programm eingefügt.
Andere Stücke wären da eher unvorstellbar. Etwa die virtuose Vocalese-Paradenummer „Moody's Mood“, mit der der Sohn des Pianisten Eugen Cicero allen Zweiflern klar macht, dass er in puncto Intonation, Timing, Range und Geschmeidigkeit ein Jazzsänger reinsten Wassers ist. Obwohl die Aufnahme von einer lässigen After-Hours-Atmosphäre lebt und der Sänger seine drei Mitmusiker, allen voran den Feinperl-Pianisten Maik Schott, gelegentlich juchzend anfeuert wie bei einer Jam-Session, werden jazzferne Hörerschichten nicht an der Türe abgewiesen.
Es sind nämlich hauptsächlich Pop-Stücke von unter anderem den Beatles, James Taylor oder Nick Drake, die Cicero in traditionellem Piano-Trio-Gewand mit seiner finessenreich-jugendlichen Stimme interpretiert. Und das mit unterschiedlichem Erfolg. Während die Version von Paul Simons „50 Ways To Leave Your Lover“ durchaus mit Robert Glaspers modernen Interpretationen alten Liedguts mithalten kann, wirkt Tom Waits' „Tom Traubert’s Blues“ in Ciceros sanftmütiger Lesart eindeutig zu glatt. Dennoch ist es eine schöne Erfahrung, dass Deutschlands zweifellos bekanntester Jazz-Sänger jetzt endlich Jazz macht.

Josef Engels, 12.12.2015



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