Responsive image
Béla Bartók, György Ligeti

Kontraste, Sonate für zwei Klaviere, Konzerte für Klavier, Violoncello und Violine

Matthias Pintscher, Ensemble Intercontemporain, Hidéki Nagano, Pierre Strauch, Jeanne-Marie Conquer

Alpha/Note 1 ALP217
(109 Min., 6 & 9/2014) 2 CDs

Mehr als nur zwei große ungarische Komponisten hat Dirigent Matthias Pintscher für sein diskografisches Debüt als Leiter der Pariser Ensemble Intercontemporain ausgewählt. Denn zwischen Béla Bartók und seinem Bewunderer György Ligeti bestehen wichtige Schnittmengen. Beide haben sich in ihren Werken bekanntermaßen intensiv mit dem volksmusikalischen Erbe auseinandergesetzt. Und beide verband miteinander ein Leben im Exil: Während Bartók vor den Nazis in die USA emigrierte, kehrte Ligeti 1956 seiner Heimat angesichts des stalinistischen Terrors den Rücken und ging auf Einladung von Stockhausen nach Köln. Jeweils eine CD ist nun den Komponisten gewidmet. Vom Kammermusikkomponisten Bartók sind mit den „Kontrasten“ für Klarinette, Violine und Klavier sowie der Sonate für zwei Klaviere und Percussion zwei Meilensteine der klassischen Moderne so eingespielt worden, wie man es sich nur wünschen kann. Bis auch in die bisweilen extrem melancholischen bzw. grell anmutenden Abgründe hat man einen scharfen Blick auf die Stimmungen und Stimmen. Und während in den „Kontrasten“ gerade das jüdische Element so ganz ohne falsches Pathos konturiert wird, nimmt die Sonate mit burleskem Temperament und Biss packende Fahrt auf.
Mit den drei Solo-Konzerten, die zwischen 1966 und 1992 geschrieben wurden, erweisen Pintscher und das französische Expertenkollektiv für zeitgenössische Musik dem freien, unabhängigen Komponistengeist Ligeti eine bis ins Detail exzellent ausgeleuchtete Reverenz. Das Cellokonzert von 1966 kommt wild flirrend und mäandernd daher. Beim Klavierkonzert (1988) kommt auch eine akrobatisch anmutende Motorik zum Zuge, die Ligeti als Bewunderer des amerikanischen Komponisten Conlon Nancarrow und seiner aberwitzigen „Studies For Player Piano“ ausweist. Und das 1992 uraufgeführte Violinkonzert vereint die schauerlich surrealen Klangwesen des Klavierkonzerts mit ergreifend schönen Solo-Gesängen aus fernen Zeiten. Hier wie überhaupt bei allen drei Konzerten liegen die Solo-Parts in den bewundernswert versierten Händen von Mitgliedern des Ensemble Intercontemporain. Womit sich zudem ein besonderer Kreis schließt. Denn bereits 1994 hatte Ensemble-Gründer und Pintscher-Förderer Pierre Boulez mit eben den damaligen Spitzenmitgliedern Pierre-Laurent Aimard und Jean-Guihen Queyras diese Konzerte phänomenal eingespielt.

Guido Fischer, 19.12.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top