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Henri Dutilleux, Claude Debussy

Tout un monde lointain, Trois strophes sur le nom de Sacher, Cellosonate

Emmanuelle Bertrand, Pascal Amoyel, Luzerner Sinfonieorchester, James Gaffigan

harmonia mundi HMC 902209
(48 Min., 11 & 12/2014)

Obwohl er Zeitgenosse und Kollege von Olivier Messiaen und Pierre Boulez war, ging Henri Dutilleux zu ihnen Zeit seines langen Lebens meilenweit auf Abstand. Mit dem vom Katholizismus imprägnierten Schaffen von Messiaen konnte er nicht viel anfangen. Und den von Boulez in der Nachkriegszeit verkörperten Serialismus verurteilte er als ästhetischen Terrorismus. „Was ich zurückweise, ist der Dogmatismus und Autoritätsglaube dieser Periode", so Dutilleux später. Abseits solcher Neue Musik-Moden verband er vielmehr freie Tonalität mit impressionistischem Kolorit und poetischer Unmittelbarkeit. Dementsprechend vernimmt man in Dutilleux´ Schaffen immer wieder auch Claude Debussys Echo. Am 22. Januar wäre der 2013 verstorbene Dutilleux 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund hat Cellistin Emmanuelle Bertrand jetzt ihrem Landsmann ein Album gewidmet, auf dem der Bogen von Debussys Cello-Sonate bis zu Dutilleux´ Konzert für Violoncello und Orchester „Tout un monde lointain“ geschlagen wird. Und gleich zu Beginn des Albums stehen die „Trois strophes sur le nom de Sacher“ für Solo-Cello, die in den Jahren 1976 und 1982 zu Ehren des Schweizer Dirigenten und Neue Musik-Förderers Paul Sacher entstanden sind.
Diese unter dem Strich noch nicht einmal zehn Minuten dauernden Stücke besitzen in ihrer faszinierend eigentümlichen Mischung aus Verrätseltem und Verführerischem diese typische Dutilleux-Atmosphäre, wie sie im Großformat auch das nach einer Gedichtzeile von Charles Baudelaire benannte Cellokonzert ausmacht. Mit magisch filigranen Strichen konturiert Emmanuelle Bertrand diese stets intimen Klangwelten. Dann wieder setzt sie in aller Klarheit zu lyrischen Linien an, die bis fast an Abgründe zu führen scheinen. Und für das auch Oszillierende und Bedrohliche, mit dem „Tout un monde lointain“ aufgeladen ist, hat Bertrand mit dem von James Gaffigan einstudierten Luzerner Sinfonieorchester den idealen Dialogpartner. Von einer noch tieferen Verbundenheit zwischen Bertrand und dem Pianisten Pascal Amoyel erzählt hingegen Debussys Cellosonate, die so herrlich schwärmerisch, kostbar elegant und undramatisch gedankenverloren daherkommt.

Guido Fischer, 02.01.2016



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