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Forth and Back

Daniel Zamir

Jazzhaus/in-akustik 0366116
(60 Min., 6/2015)

Wer bislang dachte, mit Gilad Atzmon, Avishai Cohen, Yaron Herman, Eli Degibri oder Shai Meastro die wichtigsten Instrumentalisten aus Israel zu kennen, liegt falsch. Denn das meistverkaufte Jazzalbum aus dem neuen gelobten Land der improvisierten Musik stammt von Daniel Zamir. Der Saxofonist aus Petah Tikva ist zumindest in New York auch keine unbekannte Größe mehr: Anfang des Jahrtausends wurde er dort von John Zorn entdeckt und spielte für dessen Tzadik-Label vier CDs ein.
„Forth and Back“, Zamirs erste Veröffentlichung für eine mitteleuropäische Plattenfirma, ist voller überraschender Wendungen. Sei es, dass Zamir nach dem weihevollen, an Coltranes „Love Supreme“ gemahnenden Intro des Auftaktstücks „Thirty Six“ sein Instrument beiseitelegt und wortlos zu singen beginnt, sei es, dass sich die zunächst wie nahöstliche Volksweisen anmutenden Stücke „Two“ und „Fifty Six“ unversehens in sanft schaukelnde Reggae-Nummern verwandeln und im Gegenzug plötzlich ein Hochgeschwindigkeits-Bebop-Exempel reinster New Yorker Schule auftaucht – der Saxofonist und sein Begleittrio (Daniel Dor: Drums, Gilad Abro: Bass, Omir Mor: Piano) lassen den Zuhörer mit krummen Takten und höchst intensivem Spiel einfach nicht zur Ruhe kommen.
Was vor allem dem Bandleader geschuldet ist, der das Sopransax spielt wie kein anderer und derart quirlige, mitreißende, wasserfallartige Linien produziert, dass man sich fragt, woher der Mann nur die Luft nimmt. Der so gar nicht orthodoxe Jazz des orthodoxen Juden Zamir kennt auf „Forth and Back“ eigentlich nur eine Einschränkung: Man soll die CD bitte nicht am Schabbes spielen.

Josef Engels, 02.01.2016



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