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Karol Szymanowski, Claude Debussy, Erwin Schulhoff, Leoš Janáček

Identity

Noé Inui, Mario Häring

Ars Produktion/Note 1 ARS 38189
(78 Min., 7/2015)

In ihrer stilistischen Buntheit spiegelt diese CD die musikalische Vielfalt einer Zeit wider, die man kaum vereinheitlichend als musikalische Epoche bezeichnen kann: Allzu viel entwickelte und bewegte sich in jenen ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, die u.a. von den Gräueln des ersten Weltkriegs geprägt waren. Dass dieser und auch der noch bevorstehende zweite Weltkrieg nicht im luftleeren Raum geschahen, sondern zur Entladung brachten, was sich in ihrem Umfeld politisch und gesellschaftlich zusammengeballt hatte – davon zeugt auch die Musik jener Zeit. Debussys Ablehnung der deutschen Musikkultur und sein damit verbundenes Streben nach einer genuin französischen Musik spiegelt sich auch in seiner Violinsonate wider. Szymanowskis Sonate dagegen verbleibt in ihrem konventionelleren Tonfall eher ein Dokument der fleißigen Rezeption mitteleuropäischer Musik der Brahms-Zeit. Erwin Schulhoff, der querständige, stets mit neuen kompositorischen Mitteln experimentierende Tscheche, sollte 1942 selbst zum Opfer des brutalen Nationalismus werden: Er starb in einem Internierungslager. Leoš Janáček schließlich repräsentiert in diesem Programm die „nationale Schule“: Seine Sonate enthält eine Menge folkloristische Elemente, die durch eine teils stupende Virtuosität geprägt sind und zusammengehalten werden.
Der deutsch-japanisch-griechische Geiger Noé Inui und der deutsch-japanische Pianist Mario Häring haben die Multinationalität und das damit oft verbundene kulturelle Grenzgängertum selbst im Blut. Ebenso offen wie leidenschaftlich nähern sie sich den hier präsentierten Werken, wobei sie einerseits intuitiv, andererseits intellektuell vorgegangen sind: Sie haben den Gehalt der Stücke unvoreingenommen im Spielen erforscht und gleichzeitig den jeweiligen Hintergrund der Komponisten im Spannungsfeld von Traditionsanbindung und Abkehr von derselben erkundet. Das Ergebnis kann sich hören lassen; ein wahrhaft weltbürgerliches Panorama auf dem engen Raum einer einzigen Silberscheibe.

Michael Wersin, 09.01.2016



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