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Mette Henriette

Mette Henriette

ECM/Universal 4735212
(102 Min., 2013 - 2014) 2 CDs

Dieses Debüt setzt fraglos ein Ausrufezeichen. Ein Doppelalbum hat ECM der norwegischen Saxofonistin Mette Henriette Martedatter Rølvåg spendiert, die sich auf dem Cover als kampfbereite Amazone mit schwertgleich umgebundenem Spielgerät präsentiert. Auf der einen CD ist die Trondheimerin mit ihrem Trio zu hören, dem Johan Lindvall am Klavier und Katrine Schiøtt am Cello angehören. Auf der zweiten CD agiert die junge Norwegerin gar als Anführerin einer 13-köpfigen Großformation, die unter anderem Mitglieder des Cikada String Quartet in ihren Reihen hat.
Aber trotz dieses enormen Aufwands hat Mette Henriettes Einstand so gar nichts Auftrumpfendes. Im Gegenteil: Zerbrechlichkeit, Stille und extreme Introvertiertheit dominieren das Geschehen. „Breathe“, wie eines der Stücke Mette Henriettes heißt, hätte mit einigem Recht auch der Titel der Gesamtaufnahme sein können.
Denn der Atem spielt in der Musik der Skandinavierin eine entscheidende Rolle. Wo andere Saxofonisten gleißende Licks vorführen, kennt die 25-Jährige offenbar unzählige Arten, ihr Saxofon zu beatmen. Sie schmatzt und schlürft, haucht heiser ins Mundstück oder lässt Luft und Kondenswasser leise gurgeln.
Auch ihre Kompositionen leben vom Prinzip des Ein- und Ausatmens. Die zum Teil vignettenhaft kurzen Stücke schwellen an und ab wie Windstöße oder das Meer. Man ist angesichts dieser Versenkungsübungen dann schon fast erschrocken, wenn die Saxofonistin ihr Instrument plötzlich so aufgrollen lässt, als sei es ein wütender Berggeist. Denn ja: Die Norwegerin vermag dem Saxofon auch echte Töne zu entlocken, die irgendwo zwischen Jan Garbarek und Albert Ayler oszillieren.
Man kann Mette Henriettes Debüt sicherlich einiges vorwerfen, wie zum Beispiel einen gewissen Hang zur Esoterik. Eines aber gewiss nicht: mangelnde Originalität.

Josef Engels, 16.01.2016



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