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Peter Tschaikowski, Igor Strawinski

Violinkonzert, Les noces

Patricia Kopatchinskaja, MusicAeterna, Teodor Currentzis

Sony Classical 88875165122
(57 Min., 4 & 5/2014 & 10/2013)

Wenn sich die moldawische Geigerin Patricia Kopatchinskaja und der griechische Dirigent Teodor Currentzis auf ein musikalisches Tête-à-tête einlassen, kann einfach nichts von der Stange herauskommen. Dazu sind beide schließlich zu sehr Charakterköpfe, die lieber einmal zu viel als zu wenig das liebgewonnene Repertoire gegen den Strich bürsten. Nun hat man also ihre diskografische Verlobung mit dem romantischen Violinkonzert schlechthin, mit Tschaikowskis D-Dur-Konzert, abgesegnet. Wobei man gleich noch zügig zur Vermählung nach alter russischer Sitte geschritten ist. Passend zur ebenfalls eingespielten Ballettmusik „Les noces“ von Igor Strawinski feierten Kopatchinskaja und Currentzis für das Booklet stilecht eine ländliche Bilderbuchhochzeit.
Bei anderen Musikern würde man solche Selbstinszenierungen als Ablenkungsstrategie vom eher mageren musikalischen Resultat abtun. Bei Kopatchinskaja und Currentzis weiß man hingegen schon dank vieler anderer Projekte von vornherein, dass bei ihnen nicht allein alles Hand und Fuß besitzt. Sie verschieben trotz bestmöglicher Partiturtreue immer und immer wieder liebgewonnene Hörgrenzen und geben damit Ausblicke auf ungeahnte Klanghorizonte frei. Genau dies ist ihnen jetzt ausgerechnet bei Tschaikowski und damit einem von marmeladesk bis high-end-virtuos durchgemangelten Konzertevergreen gelungen.
Die Entschlackungskur begann bereits beim Orchester. So spielt das russische MusicAeterna u.a. auf Darmsaiten. Und auch die historischen Blasinstrumente sorgen nun für ein lichtes Klangbild. Entsprechend transparent gestaltet sich das Miteinander zwischen Solistin und Orchester. Und was für ultrazarte Dolce-Kantilenen Kopatchinskaja nun ihrem Instrument entlocken kann, beweist sie sogleich in den Anfangstakten. Weder bleibt fortan etwas von russischem Schmalz zu erahnen, noch hält man sich in den typischen, edlen Tschaikowski-Salons auf. Vielmehr darf es schon mal – angestachelt vom heftig pulsierenden Orchester – bodenständig robust zugehen. Und in der Kadenz kommt es zu einer schlichtweg aufregenden Synthese zwischen der Kunst- und der Volksmusik. Wie ein traumhaftes, von allem falschen Kitsch gereinigtes Nocturne kommt der langsame Satz daher. Bevor im Finale sich das Musikerteam in eine Bande voller Temperamentsmusiker verwandelt, die es fulminant krachen lässt! Der Kontrast könnte danach fast nicht größer sein. Denn klangsprachlich verbindet Strawinskis 1923 vollendete „Bauernhochzeit“ für Vokalsolisten, Chor, vier Klaviere und Orchester mit Tschaikowski gar nichts mehr. Dafür unterstreichen Teodor Currentzis und MusicAeterna mit beherztem, kernigem Zugriff auf die holzschnittartigen Rhythmen und burlesken russischen Volksgesänge, was sie für Musiker aus echtem Schrot und Korn sind.

Guido Fischer, 23.01.2016



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