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Édouard Lalo, Pablo de Sarasate, Max Bruch

Symphonie espagnole, Zigeunerweisen, 1. Violinkonzert

Renaud Capuçon, Orchester von Paris, Paavo Järvi

Erato/Warner 2564698276
(66 Min., 5 & 9/2015)

Hinter den von Renaud Capuçon ausgewählten Repertoire-Schlagern für Geige und Orchester steckten zwei legendäre Violinisten. Édouard Lalo schrieb seine „Symphonie espagnole“ für den Spanier Pablo de Sarasate, der sich und die nachfolgenden Generationen ebenfalls mit Bravourstücken versorgte. Das 1. Violinkonzert von Max Bruch wurde dagegen für Joseph Joachim geschrieben. So weit bedeutende Geigen-Historie. Nun also nimmt sich der Franzose Capuçon ihr an und kann dafür mit dem Orchester von Paris und Paavo Järvi auf verlässliche Partner vertrauen. Der Orchesterpart mag zwar bei allen drei Werken nicht unbedingt zum Anspruchsvollsten gehören, was das französische Hauptstadtorchester jemals gespielt hat. Trotzdem achtet Järvi penibel und mit dem nötigen Augenmerk für die durchaus reizvollen Farben speziell bei der „Symphonie espagnole“ darauf, dass nichts bloß routiniert runtergeschrubbt rüberkommt.
Nun ist Renaud Capuçon als Solist und als Kammermusiker bisher nicht unbedingt als Teufelsgeiger aufgefallen – das Um-Kopf-und-Kragen-spielen überlässt er lieber den Kollegen. Seine Stärke ist sein Ton, der mal phänomenal luzide Schlankheit und dann wieder Intensität und Fülle aufweist. Dass Capuçon aber keinen spieltechnischen Wahnsinn zu fürchten braucht, unterstreicht er jetzt gleich doppelt und dreifach im Eröffnungsmonolog der „Zigeunerweisen“. Nah am Kitsch und Wasser ist das „Lento“ auf unzähligen Einspielungen gebaut – nicht bei Capuçon, der gehaltvolle Süße statt ranzigen Schmalz bietet.
So wohltuend er aber auch in der „Symphonie espagnole“ auf die reine virtuose Zurschaustellung verzichtet, so mangelt es ihr wie den „Zigeunerweisen“ leider an wahrem Temperament, an Brio. Zu makellos, zu abgeklärt bewegt er sich unter dem Strich da mit seiner bestechend phänomenalen Technik. Beim Violinkonzert von Max Bruch werden Capuçons Entschlackungsbestrebungen dagegen zum absoluten Pluspunkt. Herrlich bis hymnisch lässt er das Kantable strömen und hält sich dabei von jeglichen sentimentalen Anflügen fern. Und während das Orchester von Paris im Finale immerhin noch schnell die Kurve bekommt, bevor es allzu sehr nach Tschaikowski ‚riecht‘, feiert Capuçon die hohe Kunst der Nonchalance.

Guido Fischer, 30.01.2016



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