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Brian Ferneyhough

Das komplette Klavierwerk

Nicolas Hodges, Rolf Hind

NEOS/harmonia mundi 11501-02
(99 Min., 3/2011, 3/2014) 2 CDs

Bei dem Namen des Engländers zucken selbst diejenigen immer noch etwas zusammen, die ein offenes Ohr für zeitgenössische Musik besitzen. Denn Brian Ferneyhough gilt weiterhin als unbeirrbarer Exponent einer Neuen Musik-Schublade, die als „New Complexity“ bezeichnet wird. Doch auch der 73-Jährige hat wie viele Altersgenossen schon lange mit seinen Werken immer wieder Entwarnung gegeben und gezeigt, dass man den radikalen Fortschrittsglauben durchaus etwas aufweichen und sich dabei trotzdem treu bleiben kann. Und so besitzen selbst Ferneyhoughs streng durchkonstruierte Klavierwerke einen farben- und funkenversprühenden Elan Vital, wie er ebenfalls für die ultraavancierten Klaviersonaten eines Boulez typisch war.
Gerade einmal sieben Kompositionen sind zwischen 1965 und 2013 für das Klavier entstanden. Und trotz ihrer unterschiedlichen Dauer (das älteste Stück „Invention“ ist bereits nach 2 Minuten schon vorbei) und Form (neben einer Sonate für zwei Klaviere gibt es mit „Opus Contra Naturam“ eine Art musiktheatralisches Intermezzo für sprechenden Pianisten) verbindet diese Werke vom Ausdruck her die absolute Abwesenheit von Nüchternheit miteinander. Nichts wirkt geplant, kalkuliert. Stattdessen wird selbst die widerborstigste Beziehungsfülle unter packende Hochspannung gesetzt und schon mal über eine postexpressionistisch anmutende Wildheit auseinandergetrieben. Auch die hierbei spieltechnisch beängstigend schweren Anforderungen scheinen aber für den englischen Neue-Musik-Spezialisten Nicolas Hodges schlichtweg ein Leichtes zu sein. Und so kann man direkt ab dem Eröffnungsstück dieser Doppel-CD – „Lemma-Icon-Epigramm“ – die Tiefe, Dichte, Weite und nicht zuletzt die Schönheit dieser Musik bestaunen, gar genießen.

Guido Fischer, 30.01.2016



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