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Les danses de vulcain

François Jeanneau, Uli Lenz

Tutu/Fenn 888242
(70 Min., 11/2011)

Der Gott Vulcanus war bei den Römern der Schutzpatron aller Handwerker, die auf die Kraft des Feuers angewiesen sind. In heutiger Zeit müssen zu dieser Gilde auch unbedingt die Jazzmusiker gezählt werden, die wie keine anderen in der tonproduzierenden Zunft den Funken der sie befeuernden Inspiration suchen.
Da ist es nur folgerichtig und angemessen, dass der französische Sopransaxofonist François Jeanneau und der deutsche Pianist Uli Lenz dem Feuergott und seinen unberechenbaren Tänzen mit „Les danses de vulcain“ ein ganzes Album widmen. Der zum Zeitpunkt der Aufnahme 76-jährige Franzose und sein 20 Jahre jüngerer Duettpartner von der anderen Rheinseite haben das perfekte Rüstzeug, um sich nicht die Finger zu verbrennen: eine telepathische Verbundenheit, die durch Tourneen in Pakistan, Russland, Indien, Brasilien und Teilen Afrikas geschmiedet wurde, eine magmaartig fließende innere Freiheit sowie einen großen Respekt vor den Göttern der Jazzvergangenheit.
Während man bei Jeanneau, dem Grandseigneur der französischen Jazzszene, John Coltrane, aber auch Sidney Bechet heraushört, zeigt Uli Lenz immer wieder seine tiefe Verbundenheit mit den schwarzen, blues- und gospelverbundenen Pianisten. Mit seinem stark rhythmisierten Klavierspiel erweist er mal Thelonious Monk seine Reverenz („Dances Of The Martians“), mal Dave Brubeck („Maghreb de Canard“); gleichwohl ist Lenz jederzeit dazu bereit, den tonalen Raum mit wahnwitzigen Klaviereruptionen in die Luft zu sprengen.
Dieser Begleiter ist wie geschaffen für den galanten Pyromanen Jeanneau, der mit seinen verführerisch schroffen Melodien am Kraterrand wandelt, ohne jemals ins Chaos zu stürzen. Wenn man hört, wie inspiriert Jeanneau und Lenz hier interagieren, muss man unweigerlich zu dem Schluss kommen: Der Gott Vulcanus meint es wahrlich gut mit dem sagenhaften Duo.

Josef Engels, 13.02.2016



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